Georgien - Abenteuer Tusheti Road


«Reisebericht mit dem Motorrad nach Georgien»

Ein Tag mehr in Tiflis, dann nach Süden durch die Steppe und weiter zur Tusheti Road

Tage 23 - 26 (5'990 km )

Das miserable Bergwetter beschert mir einen weiteren Tag in Tiflis. So erkunde ich weitere mir unbekannte Quartiere und statte der grössten Kathedrale von Transkaukasien, der Sameba, einen Besuch ab.

 

Schlechtes Wetter hin oder her, heute packe ich meine Sachen und fahre los. Zuerst Richtung Süden zur David Gareji Monestary, die genau auf der Grenzlinie zu Aserbaidschan liegt. Hinter Rustavi, die letzte grössere Ortschaft vor der Grenze, wird die Landschaft plötzlich flach, Hier holpere ich auf einer durchlöcherten Strasse durch ein riesiges Industriequartier. Dazwischen sind zwei schwerbewachte Anlagen, die zum Militär gehören oder Gefängnisse sind. Die Gegend würde dazu passen.

 

Die Häuser hinter mir lassend, führt mich die Schotterstrasse in eine weite Steppenlandschaft hinaus. Was für ein krasser Gegensatz zu der sonst grünen und bergigen Landschaft.

 

Ausser auf ein paar verlassene Häuser treffe ich hier draussen auf nichts und niemanden bis mich die Strasse auf einen kleinen Hügel hinauf bringt. Hier stosse ich auf einen gut bewachten Militäraussichtsposten. Die Wächter am Eingang ignorieren mich, was ich als Zeichen werte weiterfahren zu dürfen, Die Piste führt knapp an ihnen vorbei den Hügel runter geradewegs auf ein grosses Militärcamp zu. "Bin ich hier richtig?" schiesst es mir durch den Kopf. Da ich von oben komme, sehe ich, dass kurz vor dem Camp eine Schotterstrasse nach links dem Lager entlang verläuft. Ein Blick auf das Navi bestätigt mir, dass dies meine Route ist.

 

Beäugt von dutzenden Soldaten schottere ich dem Lagerzaun entlang und bin froh, dass ich hier wegkomme.

 

30 Minuten später erreiche ich die David Gareji Monestary. Unglaublich, dass bereits im 6. Jahrhundert einige Mönche in dieser Wildnis lebten und die Anlage erbauten.

 

Übernachtet habe ich am Fusse der berühmten Tusheti Schotterstrasse, die spektakulär über die Pirikita-Bergkette nach Omalo führt, dass am Fusse des grossen Kaukasuses liegt. Auch heute hängen dichte Wolken über den Bergen. "Was solls" denke ich, ein Versuch ist es wert. Schliesslich soll es gemäss Wetterbericht im Laufe des Tages besser werden.

 

Kurz und bündig. Ich werde belohnt. Es hängt zwar dichter Nebel über dem Pass der Pirikita-Bergkette, aber danach drückt die Sonne durch. In Omalo ist super Wetter und die Schneeberge des grossen Kaukasus zeigen sich mir in ihrer vollen Pracht, Dafür ist es kalt und am Morgen ist meine KTM mit einer weissen Frostschicht überzogen. Macht nichts, den das Schotterfahren verlangt Körpereinsatz und Konzentration und lässt mir keine Zeit zum Frieren.

 

Tags darauf wieder auf dem Torha Pass gibt der lichtende Nebel atemberaubende Weitblicke auf den Strassenverlauf der Tusheti Road und der Landschaft frei. Fantastisch.

Schöne, aber etwas baufällige Häuser
Schöne, aber etwas baufällige Häuser
Die imposante Sameba Kathedrale
Die imposante Sameba Kathedrale

Hinter Rustavi folgt ein Gebiet mit riesigen Industrieanlagen
Hinter Rustavi folgt ein Gebiet mit riesigen Industrieanlagen
Merkwürdig, diese im Nichts stehenden Denkmäler
Merkwürdig, diese im Nichts stehenden Denkmäler

Durch die Steppe zur David Gareji Monestary
Durch die Steppe zur David Gareji Monestary
Die Anlage ist von den Hügelketten von weitem gut sichtbar
Die Anlage ist von den Hügelketten von weitem gut sichtbar

Es leben noch immer teilweise Mönche in der Anlage
Es leben noch immer teilweise Mönche in der Anlage
Spartanische Höhlenzimmer
Spartanische Höhlenzimmer

Weiter durch die Steppe bis zum Fusse der Tusheti Road
Weiter durch die Steppe bis zum Fusse der Tusheti Road
Bei der Auffahrt zum Pass zeigt sich die Sonne nur zögerlich
Bei der Auffahrt zum Pass zeigt sich die Sonne nur zögerlich

Immer wieder zieht der Nebel auf
Immer wieder zieht der Nebel auf
Den kenne ich
Den kenne ich

Die Strasse nach Omalo hinter dem Pass
Die Strasse nach Omalo hinter dem Pass
Die Wehrtürme der Keselo in Omalo
Die Wehrtürme der Keselo in Omalo

Am Fusse des grossen Kaukasus
Am Fusse des grossen Kaukasus
Georgischer Biker mit russischem Freund und Eigenbau-Seitenwagen
Georgischer Biker mit russischem Freund und Eigenbau-Seitenwagen

Früher im Sandkasten gespielt, heute im Schlamm
Früher im Sandkasten gespielt, heute im Schlamm
Waschstationen gibt es gratis unterwegs
Waschstationen gibt es gratis unterwegs

Atemberaubender Weitblick auf die Tusheti Road vom Torha Pass
Atemberaubender Weitblick auf die Tusheti Road vom Torha Pass
Spektakuläre Strassenführung
Spektakuläre Strassenführung


Zum Bergdorf Shatili und weiter nach Mtskhera, Kutaissi und Batumi bis in die Türkei

Tage 27 - 29 (6'790 km )

Mist, ich kann die Maschine nicht halten. Ich versuche zwar gegen die Schräglage der KTM zu ziehen, aber es reicht nicht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als sie langsam abzulegen. Als Erstes stelle ich den Motor ab und als Zweites Fluche ich laut, wobei ich gar keine Zeit dazu habe, weil kein halber Meter neben mir ein grosser Bagger auf dieser einspurigen Bergstrasse steht und ich nicht weiss, ob der Fahrer mich sieht oder nicht. Also schnell das Motorrad aufstellen, ein herbeieilender Arbeiter hilft mir, aufsteigen und mit Vollgas durch den Erdwall durch. Puh, geschafft.

 

Die Schotterstrasse ins Bergdorf Shatili hat es in sich. Eigentlich nicht besonders schwierig zu fahren, sind die Baustellen dagegen ein Challenge. Entweder muss ich mich durch Schlamm und Match kämpfen. über grosse rumliegende Steine oder über Erdwälle. Für die wenigen Autos schaufeln die Baggerfahrer die Steine und Erdwälle weg und machen dann Platz. Sehen die Bauleute mich, winken sie mir zu, ich soll mich neben dem Bagger durchschlängeln. Das ist gut gemeint, nur liegt dann eben vor oder hinter dem Bagger alles lose auf der einspurigen Bergstrasse rum.

 

Dafür werde ich auf der Passhöhe des Datvisjvari Pass mit einem herrlichen Panorama belohnt. Keine 10 km später versuchen mich die Bauarbeiter erneut durch ihr Reich zu lotsen. Zum Glück sehe ich frühzeitig, dass auf mindestens einer Länge von 100 Meter frische Erde aufgeschüttet wurde ich jetzt da durch müsste. "Kein Chance" meldet mein Hirn, und zügelt meine Gashand. Das Gewinke der Arbeiter ignorierend, bleibe ich stehen und schätze die Situation in Ruhe ab. Um hindurch zu kommen, müsste ich mit Tempo rein ohne zu wissen, wie tief die lose Erdschicht ist und das auf einer Bergstrasse. Das ist mir zu gefährlich und ich entscheide umzudrehen. So Endet mein Tagesausflug nicht im Bergdorf sondern kurz davor.

 

Wieder oben auf dem Pass lege ich eine Pause ein. Als ich zwei Jeeps aus der Richtung von Shatili heranfahren sehe, mache ich mich bereit und folge ihnen. Jetzt muss ich zwar länger an den Baustellen warten, dafür sind sie einfacher zu passieren.

 

Mtsketa erreiche ich am Abend und mein Guesthouse liegt gleich neben der Svetitskhoveli Kathedrale, die von der UNESCO gelistet ist. Fürs Nachtessen schlagen mir meine Gastgeber ein Restaurant direkt am Fluss vor und tatsächlich, ich sitze kurz darauf an einen Tisch am Fluss mit herrlicher Sicht auf die weit oben auf dem Hügel stehenden Jvari Monestary.

 

Für den Rückweg nach Batumi wollte ich einen letzten Schotterpass überqueren. Die Wetteraussichten prophezeien aber viel Regen in dieser Region. Ich wähle deshalb die Route über Chiatura, Kutaissi und dann über Batumi zurück in die Türkei.

 

Die Bergbaustadt Chiatura war früher einer der grössten Manganproduzent Durch die Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 brachen das Stromnetz und die Wasserversorung zusammen und dadurch fast alle Minen in dieser Region. Bekannt wurde Chiatura durch seine aus den 1950 Jahren gebauten Seilbahnen. Mit diesen wurden die Arbeiter zu den Minen am Berg und die Menschen von der Bergsiedlungen ins Tal gebracht. Aktuell ist die Mehrheit der Bahnen wegen hohen Sicherheitmängel ausser Betrieb. Die Ortschaft selber zeigt sich lebendiger als von mir erwartet. Die riesigen dahinrottenden Minen in der umliegenden Gebieten bilden dafür eine apokalyptische Kulisse.

 

Meine letzte Nacht in Georgien verbringe ich in Kutaissi und fahre tagsdarauf über Nebenstrassen nach Batumi und weiter zur Grenze in die Türkei. Dabei werde ich von einem Polizeiauto gestoppt. Ich fahre rechts ran und stelle den Motor ab, da steht der Beamte auch schon neben mir. Er will meinen Pass sehen. Ich hole diesen hervor und strecke im den Pass entgegen. Im Gegenzug übergibt er mich das in Plastik verschweisste Mundstück, um in sein Alkoholtestgerät zu blasen. Ich packe es aus und blase einmal kräftig rein. Er blickt auf die Anzeige, nickt, gibt mir den Pass zurück und verabschiedet sich. So schnell und effizient wurde ich noch nie von einer Polizeistreife kontrolliert

 

An der Grenze ging es auf beiden Seiten erstaunlich schnell und schon düse ich auf der zweispurigen türkischen Hauptstrasse der Schwarzmeerküste entlang bis nach Trabzon.

Entlang des Zhinvali Sees verläuft die Strasse nach Shatili
Entlang des Zhinvali Sees verläuft die Strasse nach Shatili
Die Strasse verläuft über länger Zeit dem Argawi Fluss
Die Strasse verläuft über länger Zeit dem Argawi Fluss

Die Passtrasse zum Datvisjvari Pass auf 2'500 Meter
Die Passtrasse zum Datvisjvari Pass auf 2'500 Meter
Was für ein Panorama von der Passhöhe
Was für ein Panorama von der Passhöhe

Das Arghuni Flusstal nach Shatili
Das Arghuni Flusstal nach Shatili
Die Schneeberge vom grossen Kaukasus
Die Schneeberge vom grossen Kaukasus

Die Ananuri Monestary
Die Ananuri Monestary
Die Höhlenstadt Uplisziche
Die Höhlenstadt Uplisziche

Für einen frisch gespressten Granatäpfelsaft auf meine Ktm aufgepasst
Für einen frisch gespressten Granatäpfelsaft auf meine Ktm aufgepasst
Eine der vielen Seilbahnen in der Ortschaft Chiatura
Eine der vielen Seilbahnen in der Ortschaft Chiatura

Die Kazchi-Säule
Die Kazchi-Säule
Kurz nach Gori
Kurz nach Gori

Eisenbahnbrücke über den Subsa Fluss
Eisenbahnbrücke über den Subsa Fluss
Diese gelben Gasleitungen prägen oft das Ortsbild
Diese gelben Gasleitungen prägen oft das Ortsbild

Zurück in Batumi
Zurück in Batumi
Mein Hotel mit Aussicht bei der Ortschaft Trabzon
Mein Hotel mit Aussicht bei der Ortschaft Trabzon