Georgien - Spielerstadt und Wehrtürme


«Reisebericht mit dem Motorrad nach Georgien»

Von Batumi in den grossen Kaukasus nach Mestia, Ushguli und weiter nach Zageri

Tage 15 - 17 (4'948 km )

Ein tiefes Grollen dringt durch meine Ohren und weckt mein Hirn. Ich öffne die Augen und horche gespannt auf ein weiteres Geräusch. Jetzt knallt es ganz laut und kaum ist der Ton verschwunden, prasselt es merkwürdig. Ein Gewitter tobt über Batumi. Da habe ich ja Glück, denn heute ist mein Ruhetag und ich kann das Unwetter ausschlafen.

 

Zwei Schlaf- und Waschmaschinenstunde später ist der Spuk vorbei und ich spatziere los in die Innenstadt von Batumi. Einerseits muss ich Geld wechseln und eine lokale SIM Karte kaufen und andererseits interessiert mich der alte Stadtteil. Mein Guesthouse liegt 2 km weg vom Zentrum. Im Zickzack laufe ich durch die dazwischen liegenden Wohnquartiere. Vorbei an einem Mix von neuen, schön renovierten, halb zerfallenen, mit Wellblech zusammengeflickten und noch nicht fertig gebauten Wohnhäusern. Ist die Quartierstrasse nicht geteert, hüpfe ich über Pfützen, weiche Schlammstellen aus und versuche nicht nass zu werden, wenn ein Auto mit 50 km durch die Wasserlöcher braust.

 

Der alte Stadteil ist geprägt von schönen restaurierten Häusern, schmalen Quartierstrassen, Restaurants, Shops, Souvenirgeschäften und leider auch unübersehbar viele Thai Massage Salons. Anscheinend entstanden durch die hohe Nachfrage von männlichen russischen Touristen.

 

Heute bin ich früh auf den Beinen und freue mich auf die Motorradtour nach Mestia, meine erste Station im grossen Kaukasus Ggebirge. In Zugdidi, auf halber Strecke, halte ich beim Haus von Rolf, den ich über eine Reisemotorrad Facebook Gruppe kennengelernt habe. Als er gelesen hat, dass ich nach Georgien kommen, hat er mich spontan eingeladen. Er und ein griechischer Freund von ihm, beide arbeiten für die EU in Georgien, kochen für uns Deutsche Bratwürste und rüsten einen griechischen Salat. Mmm, das schmeckt fein.

 

Kurz nach dem Essen verabschiede ich mich, denn es warten noch drei Stunden Fahrt in die Berge auf mich. Noch kurz volltanken, drei Mal abbiegen und schon lenke ich meine KTM in die ersten Kurven hinein. Löcher, Schweine, Kühe und deren Mist und die in der Mitte der Fahrbahn fahrenden Autos halten mich davon ab, zu schnell und zu steil um die Kurven zu düsen.

 

Mestia ist eine Kleinstadt im grossen Kaukasus auf knapp 1'500 Meter Höhe und Ausgangspunkt für diverse touristische Aktivitäten. So finde ich problemlos ein Guesthouse.

 

Morgens verstaue ich mein Gepäck bei strahlend blauem Himmel, aber nur etwa 5 Grad. Brrrr... ganz schön frisch. Ich ziehe deshalb noch eine zusätzlich Merinowolljacke an, schiebe mein Motorrad aus dem Vorgarten und tätige den Anlasser.

 

Ushguli, das bekannteste Bergdorf im georgischen Kaukasus, liegt auf 2'200 Meter. Die ersten 2/3 der Strecke sind geteert, 1/3 ist eine Bergschotterpiste. Da freut sich die KTM Enduro und brummt vor sich hin "Endlich darf ich wieder Rumpelpiste fahren"

 

Durch die relativ gute Anfahrsituation besuchen Jahr für Jahr mehr Touristen die Region. Entsprechend wird die Infrastruktur ausgebaut. Der ursprüngliche Charme und Dorfcharakter mit den vielen Wehrtürmen besteht aber weiterhin. Wunderschön.

 

Nach einer längeren Pause wartet der auf 2'600 Meter liegende Zagari Pass auf mich und die dahinter liegende Abfahrt runter auf 475 Meter. Vier Stunden Schotter, grobe Steine, steile Passagen mit Kehren, Wasserdurchfahrten, Schlamm und Morast. Für die KTM kein Problem und ich bin immer oben geblieben.

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In den Wohnquartieren von Batumi gibt es verschiede Haustypen
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Nicht alle Quartierstrassen sind geteert

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Der alte Stadtkern von Batumi
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Am Nachmittag kommt die Sonne raus und erstrahlt das moderne Batumi

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Bei Rolf und seinem Freund zum Mittagessen eingeladen
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Die Vorboten des grossen Kaukasus

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Der Enguri Stausee
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Mestia

Die typischen Wehrtürme der Bergdörfer im georgischen Kaukasus
Die typischen Wehrtürme der Bergdörfer im georgischen Kaukasus
Augen zu und durch holpern
Augen zu und durch holpern

Einer von drei Dorfebenen von Ushguli
Einer von drei Dorfebenen von Ushguli
Lamaria in Ushguli
Lamaria in Ushguli

Hinauf zum Zagari Pass auf 2'600 Meter
Hinauf zum Zagari Pass auf 2'600 Meter
Links oben ist der Shkhara Gletscher zu erkennen
Links oben ist der Shkhara Gletscher zu erkennen


Über den Zekari Pass nach Achalziche, Höhlenstadt Wardsia und weiter nach Tiflis

Tage 18 - 19 (5'478 km )

Die Sonnengötter verlieren die Schlacht mit den Regengöttern und werden aus dem grosse Kaukasusgebirge für die nächsten Tage vertrieben. Als loyaler Sonnenanbeter folge ich den Schönwettergeistern in den kleinen Kaukasus.

 

Da ich zu Hause die für mich interessanten Pässe und Strasse bereits im Base Camp erfasst habe, ist jetzt die Route für mich innert Minuten planbar. Die Strecke ist mit 200 km Distanz zeitlich überschaubar und so bin ich nicht in Eile und esse mich langsam durch die leckeren Zutaten meines Frühstücks. Gerade als ich aufstehen will, höre ich im oberen Stock jemand auf Deutsch rufen "Kommst du" und schon Flip-Flopt es die Treppe runter. Es ist ein Paar aus München, dass gestern mit ihrem gemieteten Jeep ebenfalls von Ushguli über den Zagari Pass geruppelt ist und bei der Ankunft mein Schweizer Kennzeichen gesehen haben. So entsteht gleich ein Gespräch und ich eine Stunde später immer noch am Frühstückstisch sitze.

 

Fertig gepackt folge ich auf einer gut ausgebauten Strasse dem schönen Flusstal des Zcheniszqali Fluss und über eine Hügelkette bis nach Kurtaissi, der ehemaligen Hauptstadt Georgiens. Hier besorge ich für mich und die KTM Flüssigkeitsnachschub und etwas zu knabbern für unterwegs.

 

Auf der Route zum Zekari Schotterpass liegt auf etwa halbem Wege der Kurort Sairme. Wie das Lebkuchenhaus im Märchen von Hänsel und Gretel erscheint mir im dichten Wald eine moderne Hotelanlagen, mit Park, Spielplätzen, Spazierwegen und diverse kleine Brücken über den künstlich angelegten Bach. War bis dahin die Strasse perfekt geteert, wartet keine 500 Meter hinter der Ortschaft das erste Schlagloch auf mich.

 

Nebst den obligaten Löchern und einigen nassen Passagen ist die Schotterpiste zur Passhöhe und runter nach Achalziche einfach zu bewältigen. Die Aussicht und Weitblicke dafür anstrengend schön.

 

Im Guesthouse in Alchalziche treffe ich zwei junge Schweizer Motorradfahrer aus der Westschweiz. Sie spulen in vier Wochen in etwa 15'000 km mit ihren grossen Adventure Bikes ab. Das gibt Muskelkater in der Gashand.

 

Für die Strecke nach Tiflis wähle ich den gleichen schönen Weg wie letztes Jahr über die Höhlenstadt Wardisa und den Parawani See, wobei ich bei der Höhlenstadt nicht über die Teerstrasse zurück fahre, sondern über eine spektakuläre Schotterserpentinenstrasse mit traumhaften Blicken auf das Tal des Mtkwari Flusses.

 

Am Parawani See, der übrigens das grösste Gewässer Georgiens ist, bestrafen mich die Regengötter für mein loyales Verhalten zu ihren Gegenspielern. Sie schicken Nebel und kalte Temperaturen und das auf 2'000 Meter Höhe. Zeitweise sehe ich keine gefühlten 10 Meter weit, schlottere und verliere mehr und mehr das Gefühl in meinen Fingern. Also halte ich und wecke meine Winterausrüstung, die bis dahin zuunterst im Gepäck vor sich hin geschlafen hat.

 

Kurz vor Tiflis regieren erneut die Sonnengötter und erhitzen mich beim Warten vor einer Baustelle. Als sich dann die erste  Schweisstropfe langsam ihren Weg an meinen Rücken hinunter sucht, wechsle ich wieder in den Sommerlook.

Entlang dem schöne Zcheniszqali Flusstal
Entlang dem schöne Zcheniszqali Flusstal
Über ein Hügelkette mit fantastischer Aussicht geht es nach Kutaissi
Über ein Hügelkette mit fantastischer Aussicht geht es nach Kutaissi

Das ungenutzte utopische Parlamentsgebäude in Kutaissi
Das ungenutzte utopische Parlamentsgebäude in Kutaissi
Für die Sanierung der Häuser gegenüber gibt es kein Geld
Für die Sanierung der Häuser gegenüber gibt es kein Geld

Auf der Schotterpiste zum Zekari Pass
Auf der Schotterpiste zum Zekari Pass
Auf der Passhöhe
Auf der Passhöhe

Atemberaubende Weiblicke
Atemberaubende Weiblicke
Auch hier sind die Bauern während des Sommers auf der Alp
Auch hier sind die Bauern während des Sommers auf der Alp

Das Schloss Rabati in Achalziche
Das Schloss Rabati in Achalziche
Entlang des Pozchowiszqali Flusses
Entlang des Pozchowiszqali Flusses

Entschuldigung, darf ich bitte mal durch
Entschuldigung, darf ich bitte mal durch
Die Höhlenstadt Wardsia
Die Höhlenstadt Wardsia

Auf einer Schotterserpentinenstrasse zum Tal hinaus
Auf einer Schotterserpentinenstrasse zum Tal hinaus
Fantastischer Blick zurück ins Tal mit der Höhlenstadt Wardsia
Fantastischer Blick zurück ins Tal mit der Höhlenstadt Wardsia

Auf dem Plateau ändert die Landschaft und es wird flacher
Auf dem Plateau ändert die Landschaft und es wird flacher
Entlang des Saghamo Sees
Entlang des Saghamo Sees

Beim Parawani See auf 2'000 Meter Höhe zieht schlechtes Wetter auf
Beim Parawani See auf 2'000 Meter Höhe zieht schlechtes Wetter auf
Tiflis
Tiflis


In Tiflis auf besseres Wetter warten

Tage 20 - 22 (5'478 km )

Eine Schlechtwetterfront überzieht den Osten Georgiens und stoppt meine Weiterreise in die kaukasischen Bergdörfer in dieser Region. Ich relaxe, wasche, checke die KTM durch und erkunde Tiflis an Orten, wo ich letztes Jahr noch nicht war.

 

Schon bei der Höhlenstadt Wardsia fiel mir der leere Besucherparkplatz auf. Der war vor 12 Monate voll und gruppenweise stürmten die Besucher die Höhlengemächer. Auch hier in Tiflis spüre ich, dass viel weniger Touristen in der Stadt sind. Im populären Restaurant, wo ich kaum Platz bekam, waren die Hälfte der Tische leer. Das Personal freut sich jetzt über meinen Besuch und in meinem Hotel bin ich der einzige Gast über mehrere Tage hinweg. Ich frage also meine Gastgeber, was los ist und höre, dass sich das Verhältnis zwischen Georgien und Russland wieder verschlechtert hat. Die Hintergründe dazu sind für mich nicht klar verständlich. Resultat ist aber, dass bis auf weiteres keine Flugverbindungen zwischen Georgien und Russland bestehen und so viel weniger russische Touristen einreisen. 

 

So teile ich den Funicularwagen auf den Mtatsminda Aussichtsberg mit nur vier arabischen Touristen und kann mich gar nicht entscheiden, aus welchem Fenster ich der Auffahrt zuschaue. Etwas später stehe ich auf der komplett leeren Aussichtsterrasse und habe das ganze Panorama für mich alleine. Schon fast ein wenig gespenstisch.

 

Im weitläufigen Park hinter der Aussichtsplattform befindet sich der Mtatsminda Vergnügungspark. Auch hier ist niemand. Hinter der Eisdiele steht zwar eine Verkäuferin und räumt Sachen ein, aus einem Restaurant schallt laute Musik, vor einem Souvenirshop sitzt ein Mitarbeiter und ist in sein Handy vertieft und eine Angestellte säubert den Boden vom herabfallenden Laub. Alles wäre bereit für den Besucheransturm.

 

Ich geistere noch ein wenig durch die abgeschalteten Vergnügungsbahnen, spazieren danach den Fussweg hinunter in die Stadt und schlendere kreuz und quer durch die Quartier- und Altstadtgassen bis mich das Café Leila mit seiner Flower-Power Ambiente hereinlockt und ich hängen bleibe.

Das Panorama vom Mtatsminda Aussichtspunkt
Das Panorama vom Mtatsminda Aussichtspunkt
Die Sameba Kathedrale
Die Sameba Kathedrale

Steht still und leise vor sich hin
Steht still und leise vor sich hin
Keine schreienden Menschen, sondern gähnende Ruhe
Keine schreienden Menschen, sondern gähnende Ruhe

Bald werden die Waldkobolde ringel rum fahren
Bald werden die Waldkobolde ringel rum fahren
Zum Lachen gibt es hier wenig
Zum Lachen gibt es hier wenig

Geputzt wird wohl für bessere Zeiten
Geputzt wird wohl für bessere Zeiten
Die Eingangspforte passt zur Ambience im Park
Die Eingangspforte passt zur Ambience im Park

Kreuz und quer durch die Quartierstrassen
Kreuz und quer durch die Quartierstrassen
Die alten Häuser besitzen teilweise schöne verzierte Verandas
Die alten Häuser besitzen teilweise schöne verzierte Verandas

Oft zu sehen - neues, schickes Auto vor verfallendem Haus
Oft zu sehen - neues, schickes Auto vor verfallendem Haus
Khachapuri, traditionelles georgisches Gericht, über die Gasse
Khachapuri, traditionelles georgisches Gericht, über die Gasse

Blumenmarkt am Strassenrand
Blumenmarkt am Strassenrand
Das Rezo Gabriadze Marionette Theater
Das Rezo Gabriadze Marionette Theater

Die Friedensbrücke
Die Friedensbrücke
Die Mutter Georgiens - Symbol für die Hauptstadt Tiflis
Die Mutter Georgiens - Symbol für die Hauptstadt Tiflis