Meine Motorradtouren


Mongolei - Schweiz

«Kasachstan - Durch die weiten Steppen nach Almaty»

Pochemu ty ne govorish' po-russki? my friend

Auf nach Kazachstan

Tage 19 (Km 3'873)

Wieso sprichst du kein Russisch, my friend, hat mich schon der Russische Zollbeamte an der Mongolischen Grenze gefragt. Ich glaube, die wissen nicht, wie schwierig Russisch ist. Da nutze ich lieber Google translate zusammen mit Zeichensprache, eine Kombination, die mich oft zum Lachen bringt.

 

An der Grenze waren sie heute alle gut gelaunt. Kein Wunder, war ich nebst einem Kyrgiesen der Einzige, der von Russland nach Kazachstan um 08.30 Uhr wollte. Dachte zuerst, dass könne doch gar nicht die Grenze sein. So fragte ich den Fahrer des Autos vor mir, mit Google translate, worauf dieser wie wild nickte als Bestätigung.

 

Keine zwei Minuten später öftnete sich die Schranke. Reinfahren, Motorrad abstellen, ins Büro zur Passkontrolle, wieder raus aufs Motorrad, 50 Meter fahren, Pseudogepäckkontrolle mit der obigen Fragen nach meinen Russischkenntnissen und schon war ich in Kazachstan. Hier das gleiche nochmals mit einem Good luck als Abschied. Ich staunte, wie schnell ich diese Mal durchkam.

 

Nächste Anlaufstelle war die Stadt Semej für den Kauf einer SIM Karte, Geldwechseln und - eine Motorradversicherung. Die Kazachische Polizei ist bekannt dafür, dass sie gerne Ausländer kontrolliert. Eine fehlende Versicherung würde mich hier viel mehr Kosten als noch in der Mongolei.

 

Das Versicherungsgebäude war in der Stadtmitte und ich stellte mir deshalb einen schnörkellosen Neubau vor mit vielen gut angezogenen Leute, wo ich bald mit dreckigen Motorradklamotten reinspazieren würde und mich alle etwas komisch musterten. Aber nix da, das Büro war eine Bretterbude und die Versicherung hatte ich innert 15 Minuten. Einer der Angestellten half mir dann auch gleich noch eine SIM Karte zu kaufen mit Internetanschluss. Auch beim Geldwechseln auf der Bank half mir sofort eine Angestellte die richtige Wartenummer zu ziehen und der Security bewachte mit seinem Leben garantierend meinen Helm und Trinkrucksack. Echt freundlich, die Kasachen.

Good by my friend
Good by my friend
In Kasachstan kommt als erstes Mal gar nichts
In Kasachstan kommt als erstes Mal gar nichts

Das moderne Bürogebäude der Versicherungsgesellschaft
Das moderne Bürogebäude der Versicherungsgesellschaft
Kasachische Steppe
Kasachische Steppe

Steppenzug
Steppenzug
WC mit Luxusausstattung, fliessendes Wasser, Dreilagenpapier, Licht, Internet
WC mit Luxusausstattung, fliessendes Wasser, Dreilagenpapier, Licht, Internet


Durch die kasachische Steppe mit Überraschungen

Von Semej nach Almaty

Tage 20 - 22 (Km 4'867)

Hungrig stand ich pünktlich wie eine Schweizer Uhr um 08.00 Uhr am einzigen Frühstückstisch meiner Unterkunft. Die Inhaberin sass gleich wie am Vorabende auf ihrem Stuhl und musterte mich verschlafen. Mit Zeichensprache fragte ich sie nach Hama Hama. Ihre Antwort war die Zahl 8, worauf ich gestikulierte, dass ja jetzt 08.00 Uhr sei. Mich befremdlich musternd, zeigte sie auf die Uhr an der Wand. Ups, die stand auf 07.00 Uhr. Das Internet klärte mich dann auf. Kasachstan ist hinter Russland eine Stunde zurück. Diese Zeitzonen verstehe ich nicht.

 

Eine Stunde warten kam für mich nicht in Frage und so ging es ohne Frühstück los in der Hoffnung, dass ich bald an einem Supermarket vorbeifahren würde. Leider nicht und erst drei Stunden später erreichte ich die nächste grössere Siedlung. Ziemlich durchgeschüttelt von der miserablen Teerstrasse stoppte ich an einer neuen Tankstelle, die sogar mit einem Shop ausgestattet war. Auf der These stand, ich traute meinen Augen nicht, eine Kaffeemaschine mit Lavazzo Kaffee. Bald stieg mir der Geschmack frisch zubereiteten Kaffees in die Nase und der leckere Expresso durch die Kehle.

 

Zurück auf der üblen Teerstrasse überlegte ich mir gerade, über was ich noch nachdenken könnte, als einige hundert Meter neben mir eine grosse Detonation ertönte und viel schwarzer Rauch mit einem riesigen Feuerschweif aufstieg. Da  explodierte eine Bombe und was für eine. Ungläubig hielt ich an. Dabei erinnerte ich mich, dass ich in der letzten Siedlung an einer grossen Militäranlage vorbeifuhr. Vermutlich führte die Strasse direkt an deren Testgelände vorbei. Nichts für schwache Nerven.

 

Auch am nächsten Tag war wegen des katastrophalen Strassenbelages abwechselnd Slalom oder Super Ski mit Sprungeinlagen meine Fahrdisziplinen. Dabei blies jetzt auch noch ein starker Steppenwind, der mit meiner leichten Enduromaschine herumspielte, wie er wollte.

 

Bei einem steilen Anstieg stand ein Auto auf der Seite und der Fahrer winkte mir zu. Es stellte sich heraus, dass die Stossdämpferaufhängung eines Vorderrades durchgebrochen war und ihm fast ein Loch in die Kühlerhaube schlug. Ich drückte dies nach unten während er sie mit einem Kabel zu befestigen versuchte. Das gelang, wobei ich bezweifle, dass er weit damit gekommen ist.

 

Auffallend ist die Freundlichkeit der Kasachen. Sie hupen beim Vorbeifahren, winken mir zu, wollen gerne alles anschauen, sind dabei aber angenehm zurückhaltend. Sie helfen mir im Restaurant, wenn Google translate die Speisekarte nicht übersetzen kann oder diskutieren alle zusammen, wo denn jetzt das nächste Hotel ist. So entstehen bei vielen meiner Stopps positive Begegnungen mit den Einheimsichen.

Lange Geraden sind hier normal
Lange Geraden sind hier normal
Hier braucht es keine Linienführung. Die Strasse gibt sie vor
Hier braucht es keine Linienführung. Die Strasse gibt sie vor

Der hat super geschmeckt
Der hat super geschmeckt
Bummmmm
Bummmmm

Weiter gehts auf der Rüttelpiste
Weiter gehts auf der Rüttelpiste
Auf dem Laster hat es ja immer noch Platz
Auf dem Laster hat es ja immer noch Platz

Die Schneeberge liegen bereits in China
Die Schneeberge liegen bereits in China
Lieber eine Schotterstrasse als eine solche Teerstrasse
Lieber eine Schotterstrasse als eine solche Teerstrasse

Teilweise geht die Strecke schönen Gebirgszügen entlang
Teilweise geht die Strecke schönen Gebirgszügen entlang
oder es geht rauf und runter, wie auf der Achterbahn
oder es geht rauf und runter, wie auf der Achterbahn


Ölwechsel und Relaxen

Almaty

Tage 23 - 24 (Km 4'867)

Soeben bin ich in den KTM Shop in Almaty eingetreten und habe das Gefühl, ich sei in einem Motorradladen in Zürich. Schön aufgereiht stehen die verschiedenen KTM Motorräder im glänzenden Showroom. Der junge Mitarbeiter spricht mich sofort an und heisst mich willkommen. Da bin ich zuerst einmal etwas baff, hatte ich mich doch bereits darauf eingestellt, dass der Laden höchsten das Öl verkauft, was ich benötige und ich den Ölwechsel dann selber vornehmen werde.

Jetzt steht aber der Mechaniker da und teilt mir mit, dass er gerne den Ölwechsel machen könne inklusive Luftfilter- und Kettenreinigung. Fünf Stunden später kann ich die Maschine frisch geputzt mit einem zusätzlichen Liter Öl für die Weiterfahrt abholen und dass alles zu einem ziemlich günstigen Preis. Das nenne ich doch eine positive Überraschung.

 

Die Stunden dazwischen relaxe ich und geniesse das Nichtstun.

 

Heute Morgen packte mich dann die Neugier, wie die Innenstadt von Almaty aussieht und was die Menschen hier so an einem Sonntag unternehmen. Also ab in die kurzen Hosen plus die Schuhe anziehen und losgehts. Über die App Maps.me habe ich alle Stadt- und Länderkarten heruntgeladen damit ich sie offline nutzen kann. In diesen Karten sind sehr viele Details zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Öffentlicher Verkehr bis hin zum örtlichen Taxi Dienst enthalten. Eine super App zum Reisen.

 

Almaty ist eine sehr grüne Stadt. Viel Gehsteige liegen im Schatten der Bäume, was für mich das Herumlaufen bei knapp 35 Grad angenehme macht. Mir viel schnell auf, dass die Kasachen Springbrunnen und Skulpturen toll finden und - Kaffee. Alle paar hundert Meter lädt mich ein Café dazu ein, einen Stopp zu machen. Als Kaffeeliebhaber gefällt mir das natürlich und bald sass ich vor einem leckeren Cappuccino.

 

Viel los war nicht in der Stadt. Es scheint, dass die Almatier am Sonntag zu Hause bleiben oder in die umliegenden Bergebiete zur Abkühlung fahren. Einzig im Grünen Basar kam etwas Leben auf. In den grossen Hallen werden vor allem Fleisch, Früchte und Gemüse verkauft. Daneben gibt es natürlich auch noch Kleider und allerlei Ramsch.

 

Ich schlenderte dann noch weiter bis zur Zentralen Moschee, die mit ihren Goldkuppeln in der Sonne leuchtete. Die Mehrheit der Bevölkerung von Kasachstan ist muslimisch. Hätte ich es nicht gelesen, wäre mir das nicht aufgefallen.

 

Ein Fahrer von Uber brachte mich zurück in meine Unterkunft. Anstrengend so ein Sonntag.

Da gibts noch andere KTM 690 Fahrer in Almaty
Da gibts noch andere KTM 690 Fahrer in Almaty
Und Wüstentierchen gibt es auch
Und Wüstentierchen gibt es auch

Springbrunnen gibt es an jeder Ecke und Park
Springbrunnen gibt es an jeder Ecke und Park
Auch vor der Oper gibt es Wasserspiele
Auch vor der Oper gibt es Wasserspiele

Überall sind die Strassen und Gehsteige mit Grünflache umgeben
Überall sind die Strassen und Gehsteige mit Grünflache umgeben
Imposante Bauten und Monumente gibt es überall
Imposante Bauten und Monumente gibt es überall

Mmmmm, da fällt mir die Auswaht doch schwer
Mmmmm, da fällt mir die Auswaht doch schwer
Ich bleibe lieber bei den Früchten
Ich bleibe lieber bei den Früchten

oder kaufe mir neue Pants
oder kaufe mir neue Pants
Die Zentrale Moschee
Die Zentrale Moschee


Charyn Canyon - Piste gesperrt

Von Almaty zum Charyn Canyon und weiter nach Kegen

Tag 25 (Km 5'157)

"Mister" sagte der Mann an der Eingangsbarriere zum Charyn Canyon "Motobike no....." und machte mit der Hand ein Fahrbewegung nach unten. "Only walk" fügte er dann noch hinzu.

Stimmt es also, was mir ein Motorradfahrer vor zwei Tagen erzählt hat und die Schotterstrasse in den Charyn Canyon hinein ist für Motorräder gesperrt. Schade, über diese Piste wäre es mir möglich gewesen im Canyon herumzufahren und eventuell auch im Camp am Fluss zu übernachten. Vermutlich besteht das Verbot wegen dem Anfangsteil der Strasse, dass sehr steil ist. Es dürfen deshalb nur 4x4 Fahrzeuge runterfahren. Alle anderen laufen die 2 Km bis zum Fluss ebenfalls.

 

Bei 30 Grad und mit der Motorradbekleidung tue ich mir das nicht an. So verweile ich ein wenig an den Aussichtpunkten beim Parkplatz und esse einen Happen zu Mittag.

 

Über ein Reiseforum im Internet habe ich gestern die Koordinaten von drei Aussichtspunkten auf der gegenüberliegenden Seite gefunden. Gemäss dem Navi würde die Fahrt dahin in etws 2 Stunden dauern. Da ich sowieso in diese Richtung weiter fahre, entschliesse ich mich spontan zu entscheiden, ob ich die Punkte anfahren werde oder nicht.

 

Ich fahre zurück zur Teerstrasse, die mich schlussendlich zum meinem Tagesziel bringen wird, dass auf der anderen Seite der Canyon Landschaft liegt. So komme ich doch ein wenig in die Schlucht hinein und überquere den Fluss.

 

Mein Tempo ist heute gemächlich und ich erreiche deshalb die Abzweigung auf die Schotterstrasse zu den erwähnten Aussichtspunkten erst um 17.00 Uhr. Zu spät, entscheide ich, den auf Schotterpisten ist Eile ein schlechter Begleiter.

 

Irgendwann muss ich noch an Höhe gewinnen. Almaty liegt nämlich auf 500 Meter über Meer und Kegen auf rund 1'700 Meter. 

Bis dahin sind es noch 23 km. Ein paar Kilometer später gleite ich kurvig durch eine wunderschöne Landschaft in die Höhe und - die Temperatur sinkt. Ab jetzt ist vorbei für eine Weile mit 30 Grad und mehr.

Um Almaty herum gibt es viel Landwirtschaft
Um Almaty herum gibt es viel Landwirtschaft
Busstationen könne auch schön sein
Busstationen könne auch schön sein

Die Steppe und Wüste ist wieder da
Die Steppe und Wüste ist wieder da
Auf der Piste zum Charyn Canyon
Auf der Piste zum Charyn Canyon

Meine Aussicht beim Lunch
Meine Aussicht beim Lunch
Ohne Worte
Ohne Worte

Ohne Worte
Ohne Worte
die Piste, die in den Canyon hineinführt
die Piste, die in den Canyon hineinführt

Es geht runter in den Canyon
Es geht runter in den Canyon
Der Charyn Fluss
Der Charyn Fluss

Und es geht in die Höhe
Und es geht in die Höhe
Passhöhe
Passhöhe