Mit dem Motorrad nach Marokko, Chefchaouen, Suzuki DRZ400S

Farbenfroh ans Mittelmeer

Meine Abfahrt in den östlich von Fés gelegenen Tazekk Nationalpark verzögert sich wegen meinen Magen. Er rebelliert wegen dem Frühstück.

 

Ein paar Gramm leichter stehe ich etwas später bei der Enduro und belade sie. Dabei läuft mir der Schweiss schon nach wenigen Minuten von der Stirn. Eigentlich ist es heute nicht mehr so warm, dafür ist die Luftfeuchtigkeit markant angestiegen. Der Gästehausinhaber meinte sogar, dass es Regen geben könnte.

 

Der Himmel präsentiert sich deshalb in einem nebligen grau und lässt die braune Landschaft und Lehmhäuser verschwimmen.

 

Obwohl meine Strecke bis zum Nationalpark lediglich 150km beträgt und ich dafür genügend Benzin hätte, tanke ich sicherheitshalber.

 

Mein erstes Ziel ist der Stausee Allal El Fassi, der fotogen in die Landschaft eingebunden ist. Sogar mit dem trüben Himmel strahlt er eine gewisse Schönheit aus.

 

Durch riesige Kornfelder und Plantagen verläuft meine weitere Route bis zur grünen Grenze des Nationalparks, wo ich auf den zweiten heutigen Stausee treffen, den Bab Louta.

 

Obwohl es Sonntag ist, sind kaum Fahrzeuge unterwegs und der See liegt ruhig inmitten der hügeligen Landschaft. Zeit für eine Pause.

 

Dabei überkommt mich eine Müdigkeit, die ich für den Rest des Tages nicht mehr loswerde.

Die anschliessende kurvenreiche Fahrt durch den Nationalpark strengt mich deshalb übermässig an und ich muss diverse Stopps einlegen. Leider ohne Weitblicke in die grünen Berge, weil die graue Suppe alles verdeckt.

 

Erledigt gelange ich zu meiner heutigen Unterkunft, die mitten im Park liegt. Luxus wird hier keiner geboten. Lediglich ein Zimmer mit Bett und ein gemeinschaftlich genutztes Stehklo, eine Kaltwasserdusche und ein Lavabo, dass sogar für Kinder zu klein wäre.

 

Wäre so weit ok, wenn der Preis dem Angebot angepasst wäre. Weil dies aber weit und breit die einzige Unterkunft ist, spiegelt sich das im überhöhten Preis.

 

Ich lege mich zuerst einmal für zwei Stunden hin und trinke danach meinen Willkommenstee im Garten.

 

Währenddessen fährt ein Taxi vor und bringt ein französisches Ehepaar mit Teenager. Sie werden von der Betreiberfamilie umhergeführt und setzen sich danach zu mir.

 

Es stellt sich schnell heraus, dass sie sich ein luxuriöseres Bad vorgestellt haben und deshalb leicht die Augen verdrehen. Zumal sie für zwei Nächte gebucht haben. Ändern können sie es jetzt nicht mehr. Das Taxi ist weg und die nächste Unterkunft liegt über eine Stunde entfernt.

 

Nach dem Nachtessen, wovon ich zugunsten meines Magens nur die Hälfte esse, verziehe ich mich erneut aufs Bett und schlafe bald ein.


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Für einmal werde ich auf dem Land nicht durch den Hahn geweckt, sondern durch die Esel und Ziegen. Beide geben lautstark ihre Laute von sich und überstimmen das Hahngekrähe bei weitem.

 

Ich döse noch etwas, bevor ich vor dem Frühstück meine Sachen verräume. Es liegen 280km Fahrstrecke vor mir, weshalb ich bald losfahren will.

 

Das funktioniert und bei strahlendem Sonnenschein lenke ich die Maschine durch das gleiche Kurveneldorado wie gestern, nur sehe ich heute bedeutend mehr von der Berglandschaft.

 

Den grünen Nationalpark verlasse ich auf einer anderen Strasse und gelange erneut ins marokkanische Kornanbaugebiet.

 

Beleuchtet durch die Sonne glitzern die Felder heute goldbraun. Dazwischen setzen die Mandel- und Olivenbäume grüne Punkte. Gepaart mit der hügeligen Umgebung gestaltet sich dadurch meine Strecke farbenfroh und abwechslungsreich.

 

Etliche Hügel später mischt sich der Stausee El Whada mit seinem kräftigen Blau ins Farbszenario ein, und zwar so, dass ich alle paar Meter einen Fotostopp einlegen könnte.

 

Mache ich anfangs häufig, bis ich merke, dass ich kaum mehr vorwärtskomme.

 

Der schlechte Strassenzustand trägt ebenfalls zur Verlangsamung meines Fahrttempos bei. Teilweise besteht die Teerstrasse nämlich nur aus Löchern und steigt dabei rapide an oder fällt steil ab.

 

Zudem ist die gesamte Strecke mit Siedlungen gesäumt, in denen die Strasse fast komplett durch Markstände, Taxis, Busse oder sonstigen Aktivitäten versperrt ist.

 

In den Dörfern fällt mir auf, dass ich mehr als sonst bestaunt werde. Liegt wohl daran, dass dieses Gebiet touristisch wenig erschlossen ist und deshalb nur wenige Touristen hier durchkommen.

Nach dem Stausee verläuft meine Route abwechsend dem Fluss entlang oder windet sich über Bergkämme. Beides verschafft mir Einblick in die einmalige Landschaft.

 

Blau wird es erneut am Stadtrand von Chefchaouen, die blaue Stadt Marokkos, wo ich bei der Anfahrt zu meiner Unterkunft bei einem Aussichtspunkt vorbeikomme und selbstverständlich stoppe.

 

Nachdem ich die Enduro, mein Gepäck und meine Motorradkluft abgeladen habe, mach ich mich auf die Suche nach etwas Essbarem.

 

Erneut verzichte ich wegen meiner Verdauung auf eine grosse Portion und lege mich wenig später ins Bett.

 

Die Nachtessen schlug mir gestern nicht auf den Magen, weshalb ich ausgiebiger Frühstücke. Dazu sage ich nur, schlechte Idee, und liege deshalb den ganzen Morgen flach.

 

Mittags klingen die Beschwerden ab und ich schlendere im gemütlichen Tempo in die blaue Medina, die das hält, was die Bilder von ihr versprechen.

 

Chefchaouen ist noch für etwas anderes bekannt. Die Stadt liegt nämlich mitten im Rifgebirge, wo Hanfpflanzen im grossen Stil angebaut werden. Deshalb wird in den Gassen nicht nur Souvenirs sondern auch Haschisch angeboten.

 

Ich kann mich also nirgends hinsetzen, ohne dass nicht eine Minute später ein Typ neben mir sitzt und mir sein Träumer Gras anbietet. Legal ist das nicht, die Polizei drückt aber regelmässig beide Augen zu, weshalb ein nein genügt und sie sind wieder weg.

 

Wieder zurück im Hotel plane ich meine morgige letzte Route bis zur Fähre und packe meine Sachen um, damit ich alles für die Schiffsreise in meiner Gepäckrolle habe, die ich wie ein Rucksack tragen kann.


Die Fähr sticht erst um Mitternacht ins Meer und das Boarding endet um 20.00 Uhr. Ich habe also genügend Zeit für die verbleibenden 180km bis zum Hafen.

 

Ich frühstücke deshalb später als sonst und trödle danach noch etwas rum. Für einen weiteren Rundgang in der Medina fehlt mir wegen der Magenproblemen die Energie. Zudem hat mich der Heuschnupfen eingeholt, blüht doch in dieser grünen Landschaft zurzeit alles.

 

Eine Stunde später starte ich die Enduro und betanke sie ein letztes Mal mit günstigem Marokkobenzin.

 

Danach tauche ich in die Berglandschaft ein und kurve wie auf einer Achterbahn hoch und runter bis ich das Mittelmeer erreiche.

 

Beim ersten Aussichtspunkte halte ich neben einem alten weissen Mercedes aus Deutschland. Wir kommen ins Gespräch und die zwei Männer erzählen mir von ihrer Teilnahme an einer Rally durch Marokko. Keine Rally wie im Fernsehen mit schnellen Autos oder aufgemotzten 4x4 Jeeps, sondern mit älteren Autos oder Motorräder, die Leistungslimitiert sind, je nach ihrem Baujahr.

 

Ziel der Rally ist, dass es für die Fahrenden eine Herausforderung wird, was gemäss den beiden auch der Fall war.

 

Schnell ist eine Stunde rum und wir stehen noch immer beim Aussichtspunkt und quatschen.

 

Wir verabschieden uns im Wissen, dass wir uns auf der Fähre bereits wiedersehen. Ihre Rally ist wie meine Reise heute fertig und sie reisen wie ich über Genova zurück nach Hause.

Bereits um 14.00 Uhr stehe ich beim Check-In Schalter der GNV Fähre und erhalte meine Tickets.

 

Danach dauert es 1 1/2 Stunden bis ich durch den Zoll hindurch bin. Alleine die Passportkontrolle verschlang 30 Minuten mit anstehen in der prallen Sonne.

 

Das Motorrad ging für einmal am schnellsten um danach erneut eine Stunde beim Warenzoll anzustehen.

 

Dabei wurden alle Fahrzeuge inklusive den Motorrädern mit einem riesigen Scanner, der seitlich an einem Lastwagen befestigt ist, durchleuchtet. Premiere für mich. Wusst gar nicht, dass es so etwas gibt. Danach wurden die Drogenhunde auf die Fahrzeuge losgelassen. Ausser Benzin und Öl hat der Sprürhund bei mir nichts anderes riechen können.

 

Und dann endet meine Warterei auf dem Parkplatz vor der Fähre, wo alle Wartenden für über drei Stunden in der Sonne ausharren durften.

 

Weder Schattenplätze noch etwas zu trinken gibt es hier. Zum Glück habe ich immer etwas Proviant und Wasser dabei.

 

Zwischen den Autos hat es vereinzelt andere Motorradfahrende und bald bildet sich eine Gesinnungsgruppe. Beim Smalltalk vergeht die Zeit wenigsten im Fluge.

 

Und nun sitze ich in der Koje und schreibe meine letzten Zeilen. Danach gibt es was zu Essen und im 23.59 Uhr so steht es auf dem Ticket, läuft dann hoffentlich die Fähre aus.



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