Mit dem Motorrad nach Marokko, Tinghir, Togra Schlucht, Suzuki DRZ400S

Unterwegs auf der Kasbah Touristenrunde

Nebst den beiden berühmten Schluchten Dades und Todra ist die Region bekannt für ihre gut erhaltenen Kasbahs und natürlich die Wüste oder besser bekannt unter dem Namen Sahara.

 

Entsprechend ist das Gebiet stark auf den Tourismus ausgerichtet. Mit ist das zwar nicht sympathisch, trotzdem möchte ich einige der Sehenswürdigkeiten besuchen.

 

Meine erste Anlaufstelle ist die Kasbah Ait-Ben-Haddou, die wegen ihrer schönen Lage öfters als Filmkulisse dient. Die knapp 100km langen Strecke bis dahin ist nichts Aufregendes. Einzig ein Stopp bei der Kasbah Amridil in der Kleinstadt Skoura unterbricht meine Fahrt.

 

Hier zeigen sich bereits die Auswirkungen des Tourismus und ich kann meine Enduro nicht bei der Kasbah abstellen, ohne dass nicht ein gelangweilter Parkwächter dafür Geld will. Eine Besichtigung ist ohne Gebühr ebenfalls nicht möglich.

 

Ich stoppe deshalb ausserhalb der Reichweite des mit den Händen winkenden Parkplatzaufsehers und mache ein paar Fotos. Dann brause ich weiter.

 

Mein Gasthaus mit toller Aussichtsterrasse erreiche ich am frühen Nachmittag.

Eine Stunde später laufe ich zwischen den Palmen hindurch zur 2km entfernten Ait-Ben-Haddou Kasbah, die sich an einem Berg hinaufzieht.

 

Kaum bin ich auf der Fussgängerbrücke über das ausgetrocknete Flussbeet zur Kasbah, ist es fertig mit der Ruhe.

 

Abwechselnd bin ich jetzt Mitglied verschiedener Reisegruppen, die sich in den engen Gassen der Kasbah ausbreiten und alles verstopfen. Damit sich das Geschäft für alle lohnt, stoppen die Reiseleiter gekonnt alle gefühlten 20 Meter vor neuen Verkaufsständen. Während dessen sie etwas über die Geschichte erzählen, werden die Touristen links und rechts durch die Standverkäufer gekonnt in Verkaufsgespräche verwickelt.

 

Soweit so gut, nur mir wir dadurch der Weg versperrt. Drehe ich, um die Gruppe durch Parallelgasse zu überholen, ende ich prompt in einer anderen Reisegruppe.

 

Nach einer Stunde breche ich meine Besichtigungstour ab und verbringe den Rest des Tages auf der ruhigen Terrasse meiner Unterkunft und geniesse bei einem Te Arab die Aussicht.


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Am zweiten Tag meiner Touristenrunde steuere ich meine Suzuki nach Agdz und von dort durch das Draatal bis nach Zagora. Dieser Abschnitt wird als einer der schönsten Talabschnitte in Marokko bezeichnet. Zudem liefern die vielen Dattelpalmen in dieser Region den Hauptteil der marokkanischen Dattelproduktion.

 

Doch bevor ich diesen Talabschnitt erreiche, überquere ich den Tizi n'Tinififft Pass. Dabei winkt mir ein am Strassenrand stehender Autofahrer zu, dass ich anhalten soll. Aus Sicherheitsgründen bin gegenüber solchen Anhaltversuche skeptisch eingestellt, gibt es doch leider auch in Marokko Raubüberfälle auf Touristen.

 

Weil die Strasse aber rege frequentiert ist, halte ich trotzdem an. Dabei bleibe ich auf der Strasse stehen und lasse den Motor laufen und den ersten Gang eingeschaltet.

 

Der Mann bleibt in angenehmer Distanz zu mir stehen und erklärt mir, dass sie eine Autopanne hätten und ob ich deshalb eine Nachricht bei ihrer Familie in Agdz abgeben könnte. Sie würden mir eine kleine Karte zeichnen, wie ich das Haus finde.

 

Ich stimme zu und schaue mir die gezeichnete Karte an. Gemäss dieser liegt das Haus an der Hauptstrasse gegenüber einer Bank. Ich nicke dem Mann zu stecke die Karte ein.

 

Eine halbe Stunde später stehe ich in Agdz vor dem Haus, dass mitten im Zentrum an einer regen Strasse liegt. Es entpuppt sich aber auch als Teppichverkaufsladen und als ich dem Mann vor dem Shop den Zettel abgebe, will er mich natürlich sofort zu einem Te in seinen Laden einladen.

 

Ich verneine höflich, was er ignoriert und mich in den Laden lotsen will. Mir egal und ich drehe um und sitze auf mein Motorrad. Er folgt mir mit bösem Blick und gestikuliert, dass ich seine Einladung zum Te nicht ausschlagen kann. Oh doch, erwidere ich auf Englisch, ist das doch vermutlich eine üble Masche, um Touristen in ihr Geschäft zu bringen.

 

Leicht genervt über diese misse Masche verlasse ich einige Kilometer später die Hauptverkehrsachse nach Zagora und fahre auf der gegenüberliegenden Seite des Draatals auf einer Nebenstrasse durch die kleinen Siedlungen und Dörfer. Die Strassenführung durch und entlang der Palmen und vorbei an Kasbash und anderen Lehmhäusern erhellen bald wieder mein Gemüht.

 

Zagora ist ein bedeutender Ausgangspunkt für Reisen in die Sahara. Entsprechend lebt die grosse Ortschaft vom Tourismus und wird davon geprägt.

Gesäumt von Reiseorganisationen, Banken, Restaurants und anderen touristischen Einrichtungen verläuft die breite Hauptstrasse dominant durch den Ort.

 

Ich stoppe als erstes bei einer Auto- und Motorradwerkstatt, um Motorrad Öl zu kaufen. Über Facebook hat mich der Inhaber kontaktiert und seine Dienste angeboten, weshalb ich weiss, dass er das richtige Öl hat. Vor seiner Werkstatt stehen an die 10 Jeeps mit ausländischen Kennzeichen. Das Geschäft mit den Touristen scheint für ihn wieder gut angelaufen zu sein.

 

Während er das Öl irgendwo tief in seiner Werkstatt suchen geht, unterhalte ich mich mit den rumsitzenden 4x4 Fahrern, die darauf warten durch die Mechaniker eine Schadensprognose für ihre Fahrzeuge zu bekommen. Nicht alle sind optimistisch, dass sie diesen Ort schon bald wieder verlassen können.

 

Mein Motorrad meint es da besser mit mir und springt auf Anhieb an, nachdem ich das Öl eingepackt habe.

 

Auf dem Weg zu meiner Unterkunft fahre ich langsam am Strassenrand entlang in der Hoffnung irgendwo ein Geldwechselgeschäft zu finden. Dabei werde ich laufend von marokkanischen Mofafahrern angegangen, die neben mir herfahren und mir schreiend ein Hotel, Restaurant oder Touren anbieten.

 

Echt mühsam, wodurch ich meine Suche nach einer Geldwechselstube aufgebe, und am Gas drehe, damit ich die fahrenden Verkäufer abhängen kann.

 

Meine Unterkunft liegt etwas ausserhalb mitten in einem Palmenwald und der Anfahrtsweg finde ich nur dank meiner detaillierten Karte.

 

Ich steige vom Motorrad als ich ein anderes Motorrad über den Weg holpern höre. Kurz darauf steht einer dieser Motorradverkäufer von der Hauptstrasse vor mir und startet sogleich erneut mit seinem Verkaufsgespräch.

 

Zuviel ist zu viel und ich zeige ihm meine unangenehme Seite in dem ich auf ihn zugehe und ihn auf Englisch zusammenscheisse. Es dauert nicht lange und er steigt verdutzt auf sein Mofa und düst davon.

 

Als Abschluss des Tages werde ich nach dem Nachtessen von einer Magenverstimmungs Attacke überfallen. Die näheren Details dazu beschreibe ich lieber nicht. Dank meiner Kohletablette verläuft die Nacht aber einigermassen ok.


Die Touristenrunde verläuft von Zagora in die Wüstensiedlung Merzouga und dann zurück zu meinem Ausgangspunkt bei der Dades und Togra Schluchten.

 

Mit dem Wissen, dass Merzouga keine eigentliche marokkanische Siedlung ist, sondern nur wegen dem Sahara-Tourismus aus der Wüste gestampft wurde, entschliesse ich mich, nicht hinzufahren. Die negativen Erlebnisse, der letzten beiden Tagen reichen mir. Zudem habe ich bereits einige Wüsten besucht, weshalb ich nicht unbedingt dahin muss.

 

Ich plane deshalb eine Strecke direkt zurück zu den beiden Schluchten mit einem Schlenker in eine marokkanischen Wüstensiedlung, wobei ich nicht weiss, wie die Strassenverhältnisse dahin sein werden. Das sehe ich dann vor Ort.

 

Trotz meines verstimmten Magens frühstücke ich. Danach bezahle ich die Rechnung und packe meine sieben Sachen zusammen.

 

Beim Verlassen der Ortschaft stoppe ich für ein Foto beim legendären Wegweiser TIMBOUCTOU 52 JOUR. Natürlich hoffe ich, dass ich eines Tages diese Richtung einschlagen kann. Einfach auf meinem Motorrad anstatt auf einem Kamel.

 

Meine Strecke führt nach den letzten Häusern von Zagora hinaus in die Wüste. Weit und breit nichts anderes als Sand und Steine. Trotz der kargen Landschaft tauchen vereinzelt aber Häuser oder kleine Siedlungen auf. Die wenigen Menschen sind verhüllt in ihre Kleidung und die Männer tragen einen Touareg Turban, mit dem sie wegen des starken Windes auch ihr Gesicht verhüllen.

Ich gelange zur Kreuzung mit der Schleife in die Wüstensiedlung. Wie erwartet, ist es eine Piste, die mehrere Spuren aufweist und weit hinten zwischen die Berge führt. Ich versuche mein Glück und lege los. Ein paar Kilometer später hält mich meine Vernunft an. Der Untergrund ist abwechseln Kies, Schotter und Sand. Zwar nicht tiefer Sand aber genügend, um das Motorrad jeweils ins Schlingeln zu bringen. Hinzu kommt die Hitze, die ich beim tiefen Tempo über eine solche Piste negative spüre.

 

Der wichtigste Punkt ist aber, dass ich nicht weiss, wie sich die Piste auf den nächsten 30 Kilometer bis zur Siedlung entpuppt und wie der weitere Weg ab der Siedlung zurück zur Hauptstrasse sein wird.

 

Ich breche deshalb meinen Wüstenausflug ab und kehre zur Teerstrasse zurück.

 

Die nächsten 200 km bis nach Tinghir bei der Togra Schlucht sind nicht weiter interessant. Die einzigen Stopps sind für Benzin, Kaffee und Wasser und natürlich für zwei, drei Fotos.

 

Meine heutige Pension liegt an der Strasse der Togra Schlucht und ist lediglich ein paar Kilometer von der schönsten Passage in der Schlucht entfernt. Bereits hier liefern die grünen Palmen entlang der Flussbeetes zu den brauen, roten Felsen einen fulminanten Farbkontrast. Die dazwischen liegenden Lehmhäuser und Kasbahs setzt dann noch das I Pünktchen obendrauf.



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