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Vom Paradise Valley zum Antiatlas

Schon bei meiner Ankunft im Hotel in Essaouria sassen die zwei Maler in ungefähr 10 Meter Höhe auf einer Holzschaukel, die an zwei Seilen vom Dach herunterhängt.

 

Heute Morgen schaukeln sie immer noch auf gleicher Höhe, einfach etwas versetzt. Zusammen mit der Wand haben sie auch gleich den Vorplatz weiss gesprenkelt, da gefühlt die Hälfte ihrer Farbe runterfällt.

 

Damit mein Motorrad weiterhin blau bleibt, waren sie so nett und haben es abgedeckt, weshalb ich es jetzt zuerst wie ein Geschenk auspacken darf.

 

Schon nach fünf Minuten läuft mir die erste Schweissperle die Stirn runter. Ungewohnt, war es bis anhin wegen dem starken Wind eher kühl. Aber genau der fehlt heute Morgen. Also mache ich schneller, damit ich in den Genuss des Fahrtwindes komme.

 

So brause ich kurz darauf weiter Richtung Süden und holpere bald auf der ungeteerten Nebenstrasse der Küstenlinie entlang, während die gut ausgebaute Nationalstrasse im Landesinneren nach Agadir führt. Bei uns wäre das genau umgekehrt.

 

Mit ist das natürlich recht so, den mehr als die halbe Strecke windet sich die Schotterstrasse am Meer oder 100 Meter über den Klippen entlang.

 

Die Aussicht wird lediglich durch das milchige Licht getrübt, weil kein Wind für einen klare Sicht sorgt.

 

Ich halte an einer Kreuzung, an der es mehr Strässchen gibt, als meine Karte anzeigt. Kaum habe ich den Motor abgestellt, dröhnt ein kleines Mofa mit zwei Männern zwischen den Häusern hervor.

 

Sie halten neben mir und reden auf Arabisch los. Den Worten kann ich natürlich nicht folgen, aber ihren Handzeichen auf den Plattfuss an ihrem Vorderrad.

 

Schöner Mist, denke ich mir, und bin gespannt, was die beiden jetzt machen, da sie ja kaum eine Pumpe oder Flickzeug dabeihaben.

Ganz einfach, beide lachen erst einmal eine Runde, steigen vom Motorrad runter, schieben es unter den neben uns stehenden Baum, setzen sich in den Schatten und machen es sich bequem. 

 

Und schon rauscht der nächste Mofafahrer um die Häuser, stellt seines neben uns ab und setzt sich zu ihnen. Ein Vierter kommt dann noch zu Fuss hinzu.

 

Ich steige nun ebenfalls von meiner Enduro und schaue mir den Schaden an. Vermutlich hat er ein Loch im Schlauch.

 

Trotzdem hole ich meine Luftpumpe hervor, was die vier mit grossen Augen quittieren. 

 

Ich montiere die Pumpe und lost gehts, was den Fahrer dazu animiert aufzustehen, um mit seinen Händen den Luftdruck im Reifen zu fühlen. 

 

Ich pumpe mehr als genug Luft ins Rad und prüfe anhand der Druckanzeige, ob Luft entweicht. 

 

Leider ist dem so, aber zum Glück geht es langsam. Ich gebe deshalb dem Fahrer mittels Handzeichen zu verstehen, dass er sofort losfahren muss, wenn er mit Luft fahren will. Das macht er dann auch und verabschiedet sich mit einem Lachen.

 

Die anderen Drei bleiben weiterhin im Schatten des Baumes sitzen und schauen mir beim Pumpenversorgen zu. Als ich mich verabschiede, macht einer das Handzeichen für "Hast du Geld". Jetzt muss ich über ihre Unverfrorenheit lachen, was bei allen dreien auch wieder ein Lachen hervorbringt.

 

Wir schütteln uns die Hände, ohne dass dabei Geld fliesst, und ich fahre weiter.

 

Einige Zeit später verlasse ich vor Agadir die Küste und kurve  durch grüne Schluchten, folgend von einer Passstrasse hinein ins Paradise Valley, dass in den Hochatlasausläufern liegt.


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Mein Hotel liegt ruhig in einem Palmenwald etwas oberhalb des Paradise Valley, welches ich morgen zu Fuss erkunden möchte.

 

Die berbischen Eigentümer sprechen Französisch, Deutsch und Englisch, was die Kommunikation einfach macht.

 

Nebst mir sind noch ein belgisches Paar und eine französische Fahrradfahrerin im Hotel.

 

Auch sie möchten am folgenden Tag ins Paradise Valley.

Beim Nachtessen überzeugt uns aber der Eigentümer, dass wir eine andere Wanderung machen, die ebenfalls in ein Valley mit Wasserpools führt, aber kaum Touristen anzieht.

 

Das machen wir und tags darauf marschieren wir alle zusammen los und erkunden auf teils schweisstreibenden Tracks das palmengesäumte Berber Valley.

 

Den Nachmittag verbringe ich mit relaxen und planen der Route für den kommenden Tag.

 


Ausgeruht packe ich meine Sachen zusammen und frühstücke in Ruhe.

 

Mein heutiges Ziel liegt im Antiatlas, wodurch ich weiter in Richtung Süden fahre.

 

Obwohl ich Agadir so gut wie möglich umfahre, durchquere ich mir endlos erscheinende Vorstadtbezirke, die alle gleich aussehen.

 

Einzige Abwechslung sind die vielen gutgekleideten Menschen auf der Strasse und die rappelvollen Tee- und Kaffeehäuser, welche bis anhin alle geschlossen waren. Klares Zeichen dafür, dass heute der Ramadan endet.

Die ersten Kurven hinein in die Bergwelt des Antiatlas beenden das eintönige Fahren. Vorbei an einem Stausee gewinne ich langsam an Höhe und bestaune bald darauf, die auf einem Hügel thronende Burg Tiszourgane.

 

Unübersehbar überblickt die Burg die landschaftlich reizvolle Umgebung.

 

Drei einsame Pässe später blicke ich ins grüne Tal der Ammeln, dass durch riesige, rotbraun leuchtende Berge eingerahmt ist.

 

Irgendwo in dieser einmaligen Landschaft liegt meine Bleibe für die nächsten zwei Nächte.


Die lediglich einige Kilometer weit weg liegende Ortschaft Tafraoute liegt mitten in einem mit riesigen Steinen besetzten Landschaft.

 

Dazwischen befindet sich die Les Roches Peintes, die Blauen Felsen. Ein Werk des Malers Jean Vérame, der die Steinformationen im Jahr 1984 bemalt hat.

Gespannt bin ich auch auf die Ait Mansour Schlucht, die ich ebenfalls auf meiner heutigen halbtägigen Rundtour besuche.

 

Ich lasse deshalb gespannt den Motor anspringen und tauche ein, in diese einmaligen Landschaften im Antiatlas.

 

Und da Bilder besser eine Landschaft widerspiegeln als meine Worte, überlasse ich den Fotos das Erzählen.



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02_Track Vom Paradise Valley in den Anti
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