Mit dem Motorrad nach Georgien, Shatili, Datvisjvari Pass, KTM 690 Enduro

Berg-, Höhlen- und Minendörfer

Mist, ich kann die Maschine nicht halten. Ich versuche zwar gegen die Schräglage der KTM zu ziehen, aber es reicht nicht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als sie langsam abzulegen.

 

Als Erstes stelle ich den Motor ab und als Zweites fluche ich laut, wobei ich gar keine Zeit dazu habe, weil kein halber Meter neben mir ein grosser Bagger auf dieser einspurigen Bergstrasse steht und ich nicht weiss, ob der Fahrer mich sieht oder nicht.

 

Also schnell das Motorrad aufstellen, ein herbeieilender Arbeiter hilft mir, aufsteigen und mit Vollgas durch den Erdwall durch. Puh, geschafft.

 

Die Schotterstrasse ins Bergdorf Shatili hat es in sich. Eigentlich nicht besonders schwierig zu fahren, sind die Baustellen dagegen ein Challenge. Entweder muss ich mich durch Schlamm und Match kämpfen. über grosse rumliegende Steine oder über Erdwälle. Für die wenigen Autos schaufeln die Baggerfahrer die Steine und Erdwälle weg und machen dann Platz. Sehen die Bauleute mich, winken sie mir zu, ich soll mich neben dem Bagger durchschlängeln. Das ist gut gemeint, nur liegt dann eben vor oder hinter dem Bagger alles lose auf der einspurigen Bergstrasse rum.

 

Dafür werde ich auf der Passhöhe des Datvisjvari Pass mit einem herrlichen Panorama belohnt. Keine 10 km später versuchen mich die Bauarbeiter erneut durch ihr Reich zu lotsen. Zum Glück sehe ich frühzeitig, dass auf mindestens einer Länge von 100 Meter frische Erde aufgeschüttet wurde ich jetzt da durch müsste. "Kein Chance" meldet mein Hirn, und zügelt meine Gashand.

 

Das Gewinke der Arbeiter ignorierend, bleibe ich stehen und schätze die Situation in Ruhe ab. Um hindurch zu kommen, müsste ich mit Tempo rein ohne zu wissen, wie tief die lose Erdschicht ist und das auf einer Bergstrasse. Das ist mir zu gefährlich und ich entscheide umzudrehen. So Endet mein Tagesausflug nicht im Bergdorf sondern kurz davor.

 

Wieder oben auf dem Pass lege ich eine Pause ein. Als ich zwei Jeeps aus der Richtung von Shatili heranfahren sehe, mache ich mich bereit und folge ihnen. Jetzt muss ich zwar länger an den Baustellen warten, dafür sind sie einfacher zu passieren.

Mtsketa erreiche ich am Abend und mein Guesthouse liegt gleich neben der Svetitskhoveli Kathedrale, die von der UNESCO gelistet ist.

 

Fürs Nachtessen schlagen mir meine Gastgeber ein Restaurant direkt am Fluss vor und tatsächlich, ich sitze kurz darauf an einen Tisch am Fluss mit herrlicher Sicht auf die weit oben auf dem Hügel stehenden Jvari Monestary.

 

Für den Rückweg nach Batumi wollte ich einen letzten Schotterpass überqueren. Die Wetteraussichten prophezeien aber viel Regen in dieser Region. Ich wähle deshalb die Route über Chiatura, Kutaissi und dann über Batumi zurück in die Türkei.

 

Die Bergbaustadt Chiatura war früher einer der grössten Manganproduzent Durch die Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 brachen das Stromnetz und die Wasserversorung zusammen und dadurch fast alle Minen in dieser Region.

 

Bekannt wurde Chiatura durch seine aus den 1950 Jahren gebauten Seilbahnen. Mit diesen wurden die Arbeiter zu den Minen am Berg und die Menschen von der Bergsiedlungen ins Tal gebracht. Aktuell ist die Mehrheit der Bahnen wegen hohen Sicherheitmängel ausser Betrieb. Die Ortschaft selber zeigt sich lebendiger als von mir erwartet. Die riesigen dahinrottenden Minen in der umliegenden Gebieten bilden dafür eine apokalyptische Kulisse.

 

Meine letzte Nacht in Georgien verbringe ich in Kutaissi und fahre tagsdarauf über Nebenstrassen nach Batumi und weiter zur Grenze in die Türkei. Dabei werde ich von einem Polizeiauto gestoppt. Ich fahre rechts ran und stelle den Motor ab, da steht der Beamte auch schon neben mir.

 

Er will meinen Pass sehen. Ich hole ihm hervor und strecke im den Pass entgegen. Im Gegenzug übergibt er mich das in Plastik verschweisste Mundstück, um in sein Alkoholtestgerät zu blasen. Ich packe es aus und blase einmal kräftig rein. Er blickt auf die Anzeige, nickt, gibt mir den Pass zurück und verabschiedet sich. So schnell und effizient wurde ich noch nie von einer Polizeistreife kontrolliert

 

An der Grenze ging es auf beiden Seiten erstaunlich schnell und schon düse ich auf der zweispurigen türkischen Hauptstrasse der Schwarzmeerküste entlang bis nach Trabzon.


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