Die Wehrdörfer in Swanetien

Ein tiefes Grollen dringt durch meine Ohren und weckt mein Hirn. Ich öffne die Augen und horche gespannt auf ein weiteres Geräusch. Jetzt knallt es ganz laut und kaum ist der Ton verschwunden, prasselt es irgendwo auf ein Wellblechdach. Ein Gewitter tobt über Batumi. Da habe ich ja Glück, denn heute ist mein Ruhetag und ich kann das Unwetter ausschlafen.

 

Zwei Schlaf- und Waschmaschinenstunde später ist der Spuk vorbei und ich spatziere los in die Innenstadt von Batumi. Einerseits muss ich Geld wechseln und eine lokale SIM Karte kaufen und andererseits interessiert mich der alte Stadtteil. Mein Guesthouse liegt 2 km weg vom Zentrum.

 

Im Zickzack laufe ich durch die dazwischen liegenden Wohnquartiere. Vorbei an einem Mix von neuen, schön renovierten, halb zerfallenen, mit Wellblech zusammengeflickten und noch nicht fertig gebauten Wohnhäusern. Ist die Quartierstrasse nicht geteert, hüpfe ich über Pfützen, weiche Schlammstellen aus und versuche nicht nass zu werden, wenn ein Auto mit 50 km durch die Wasserlöcher braust.

 

Der alte Stadteil ist geprägt von schönen restaurierten Häusern, schmalen Quartierstrassen, Restaurants, Shops, Souvenirgeschäften und leider auch unübersehbar viele Thai Massage Salons. Anscheinend entstanden durch die hohe Nachfrage von männlichen russischen Touristen.

 

Heute bin ich früh auf den Beinen und freue mich auf die Motorradtour nach Mestia, meine erste Station im grossen Kaukasus Gebirge. In Zugdidi, auf halber Strecke, halte ich beim Haus von Rolf, den ich über eine Reisemotorrad Facebook Gruppe kennengelernt habe. Als er gelesen hat, dass ich nach Georgien kommen, hat er mich spontan eingeladen. Er und ein griechischer Freund von ihm, beide arbeiten für die EU in Georgien, kochen für uns Deutsche Bratwürste und rüsten einen griechischen Salat. Mmm, das schmeckt lecker.

 

Kurz nach dem Essen verabschiede ich mich, denn es warten noch drei Stunden Fahrt in die Berge auf mich. Noch kurz volltanken, drei Mal abbiegen und schon lenke ich meine KTM in die ersten Kurven hinein. Löcher, Schweine, Kühe und deren Mist und die in der Mitte der Fahrbahn fahrenden Autos halten mich davon ab, zu schnell um die Kurven zu düsen.

 

Mestia ist eine Kleinstadt im grossen Kaukasus auf knapp 1'500 Meter Höhe und Ausgangspunkt für diverse touristische Aktivitäten. So finde ich problemlos ein Guesthouse.

 

Morgens verstaue ich mein Gepäck bei strahlend blauem Himmel, aber nur etwa 5 Grad. Brrrr... ganz schön frisch. Ich ziehe deshalb noch eine zusätzlich Merinowolljacke an, schiebe mein Motorrad aus dem Vorgarten und tätige den Anlasser.

 

Ushguli, das bekannteste Bergdorf im georgischen Kaukasus, liegt auf 2'200 Meter. Die ersten 2/3 der Strecke sind geteert, 1/3 ist eine Bergschotterpiste. Da freut sich die KTM Enduro und brummt vor sich hin "Endlich darf ich wieder Rumpelpiste fahren"

 

Durch die relativ gute Anfahrsituation besuchen Jahr für Jahr mehr Touristen die Region. Entsprechend wird die Infrastruktur ausgebaut. Der ursprüngliche Charme und Dorfcharakter mit den vielen Wehrtürmen besteht aber weiterhin. Wunderschön.

 

Nach einer längeren Pause wartet der auf 2'600 Meter liegende Zagari Pass auf mich und die dahinter liegende Abfahrt runter auf 475 Meter. Vier Stunden Schotter, grobe Steine, steile Passagen mit Kehren, Wasserdurchfahrten, Schlamm und Morast. Für die KTM kein Problem und ich bin immer oben geblieben.

 


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