Ulaanbaatar - Zürich

 unterwegs bis 03. Okober 2018


Mit dem letzten Tropfen Benzin durch die Wüste

Von Buchara nach Xiva und weiter Nukus zur Turkmenischen Grenze

Tag 47 - 49 (Km 8'664)

Die Benzinanzeige leuchte schon seit mehr als 50 km auf Reserve. Viel mehr liegt nicht drin. Bevor deshalb der Motor zu stottern beginnt, halte ich an, um meine vier Liter Notreserve anzuzapfen.

 

Über 200 km fahre ich jetzt schon auf dieser Autobahn durch die Wüste. Eine super ausgebaute Strasse, die irgendwann im Nichts ohne ersichtlichen Grund begann und an der bisher keine einzige Siedlung lag. Für mich unverständlich, war die Strasse doch vorher, als es durch Kleinstädte und Dörfer hindurch ging, eine verwahrloste, durchlöcherte und staubige Piste.

 

Beide Abschnitte haben aber eines gemeinsam. Es gibt keine Tankstellen mit Benzin.

 

Und schön wieder leuchtet die Reserveanzeige seit längerem, da jetzt auch meine Notreserve zu Ende geht. Mein Navi zeigt, noch 22 km bis zur langersehnten Ortschaft. Meine Benzin-Distanzrechnung in etwa das Gleiche.

 

Nein, ich muss nicht stossen. Mit etwa 1 Liter Restbenzin stehe ich endlich bei einer Tanksäule, die Brennstoff liefert, auch wenn nur in schlechter Qualität.

 

Die Oasenstadt Xiva oder Chiwa, die Letzte der drei schönen usbekischen Städte an der Seidenstrasse, erreiche ich am späten Nachmittag. Die Luft steht vor Hitze und ich bin froh, dass ich mein Guesthaus sofort finde. Gepäck runter und dann erst einmal relaxen im gekühlten Zimmer.

 

Am nächsten Morgen wird das Frühstück im schattigen Innenhof des Hotels serviert. Schön, da bleibe ich doch gerne länger sitzen und schlemmere ausgiebig. Danach steht Geld wechseln und Batterien kaufen auf meiner to do Liste. Der Bankangestellte meint es dabei weniger gut mit mir und zahlt mir die gewechselten 310'000 usbekische Som (CHF 40.00) in 1'000 Geldscheinen aus. Wau - zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in meinen Hosentaschen nicht genügend Platz, um mein Geld zu verstauen. 

 

Die schöne Altstadt von Xiva besichtige ich am späteren Nachmittag. Schwitzend erkundige ich die Stadtmauer und klettere auch einen kleinen Turm hinauf. Dabei lässt die tiefer stehende Sonne die kleine Oasenstadt in einem besonders schönen Licht erscheinen.

 

Mittlerweile habe ich über Facebook die Nachricht erhalten, dass zwei Motorradfahrende heute in den Iran einreisen konnten. Es sieht also so aus, als ob die neuen Bestimmungen für das Einfuhrverbot von Motorrädern über 250ccm nicht oder noch nicht umgesetzt werden. Ich habe mich deshalb entschlossen, auf meiner Reiseroute zu bleiben und zu versuchen, ebenfalls in den Iran einzureisen. So fahre ich jetzt bis nach Nukus, wo es dann morgen 11.08.2018 über die Grenze nach Turkmenistan geht.

Langsam wird es wüstenmässig
Langsam wird es wüstenmässig
Solche Polizisten sind mir sympathisch
Solche Polizisten sind mir sympathisch

Wüstenautobahn
Wüstenautobahn
So weit das Auge reicht. Nichts
So weit das Auge reicht. Nichts

Benzin für den KTM Motor
Benzin für den KTM Motor
Wasser für meinen Motor
Wasser für meinen Motor

Schlemmern im Innenhof des Guesthauses
Schlemmern im Innenhof des Guesthauses
Die Altstadt von Xiva
Die Altstadt von Xiva

Die gut erhalten Stadtmauer
Die gut erhalten Stadtmauer
Wie im Bilderbuch von Ali Baba und die vierzig Räuber
Wie im Bilderbuch von Ali Baba und die vierzig Räuber

Die aus Lehm erbauten Wohnhäuser der Altstadt
Die aus Lehm erbauten Wohnhäuser der Altstadt
Die Freitagsmoschee. Die Decke wird von 215 verzierten Holzsäulen gehalten
Die Freitagsmoschee. Die Decke wird von 215 verzierten Holzsäulen gehalten

Die tiefe Sonne lässt die Alstadt in einem schönen Licht erscheinen
Die tiefe Sonne lässt die Alstadt in einem schönen Licht erscheinen
Fast täglich gibt es solche schöne Sonnenuntergänge
Fast täglich gibt es solche schöne Sonnenuntergänge


Die schönsten Städte der Seidenstrasse

Von Samarkand nach Buchara

Tag 44 - 46 (Km 7'995)

Mein Magen schickt mir noch immer schlechte Signale und so bin ich froh, heute einen Ruhetag für die Stadtbesichtigung von Samarkand eingeplant zu haben. Frühstücken tue ich aber trotzdem und gebe der Verdauung eine Stunde Bedenkzeit.

 

Die Stunde ist um und alles ist ruhig, also rein in die Sneakers und los gehts.

 

Mein Guesthaus liegt lediglich 15 Gehminuten von der grössten Attraktion Samarkands entfernt. So stehe ich kaum warmgelaufen auf dem Registan-Platz, einem der prächtigsten Plätze Mittelasiens. Ich setze mich mit einer grossen Flasche Wasser in den Schatten und lasse diese gewaltige Kulisse erst einmal auf mich wirken. Insgeheim hoffe ich natürlich, dass Sindbad oder Aladin und die Wunderlampe noch aufkreuzen.

 

Lange genug auf die Helden aus den 1001 Märchen gewartet, schlendere ich in der mittlerweile brütenden Sommerhitze zur Bibi Khanum Moschee und dem dahinter liegenden Bazar. Dabei decke ich mich mit feinen Nüssen und frischem Obst ein.

 

Nach zwei weiteren architektonischen Sehenswürdigkeiten und einem leichten Lunch auf einer schattigen Terrasse mache ich mich auf den Weg zurück ins Hostel.

 

Am nächsten Tag wartet die Fahrt nach Buchara auf mich. Die Strecke ist nicht so weit und ich lasse mich daher viel Zeit zum ausgiebig Frühstücken, mein Hungergefühl ist zurück, und fürs Packen.

 

Im Vorfeld habe ich schon in diversen Foren gelesen, dass die Suche nach anständigem Benzin in ganz Usbekistan ein Problem ist. Fast alle Fahrzeuge fahren hier mit Gas, weshalb es kaum offizielle Tankstellen mit Benzin gibt. Dafür hat fast jedes Dorf einen Schwarzmarkt für Benzin und Diesel. Die Qualität des Benzins ist da aber oft zweifelhaft.

 

Ganz so schlimm mit dem Angebot ist es dann doch nicht. Leider wird aber fast nur 80 Octan Benzin verkauft, was für den KTM Motor Fusel darstellt. Nicht aufgeben heisst da meine Devise und so halte ich an jeder Tankstelle, die Benzin ausgeschrieben hat und frage nach 91 respektiv 95 Benzin. Und siehe da, ich werde fündig.

 

Was es wirklich sehr viel hat, sind geschlossene Tankstellen oder halb fertig gebaute, die verwahrlosen. Wahrscheinlich stammen die noch aus einer Zeit, wo die Mehrheit der Autos wie bei uns mit Benzin- oder Dieselmotoren ausgestattet waren.

 

Landschaftlich bietet die Strecke nach Buchara nicht viel. Mehrheit geht es auf einer zweispurigen Strasse durch flache Gebiete mit hohem landwirtschaftlichen Anteil hindurch.

 

Buchara zeigt sich als eine saubere und aufgeräumte Stadt. Alles ist kleiner und die Sehenswürdigkeiten nahe aufeinander. Hervorheben tut sich hier der Ark, mit seiner imposanten Mauer, in dem früher die Emire gewohnt haben.

 

Mein Ruhetag und Stadtbesichtigung wird leider durch die Meldung, dass der Iran die temporäre Einführ für Motorräder über 250ccm veboten hat, stark beeinflusst. Stimmt diese Meldung, kann ich nicht am 11.08.2018 über Turkmenistan in den Iran reisen. Das wäre sehr schade und würde meine geplante Reiseroute stark beeinflussen.

 

Über diverse Kanäle versuche ich jetzt nähere Informationen zu dieser neuen Regelung zu erhalten.

Der prächtige Registan-Platz in Samarkand
Der prächtige Registan-Platz in Samarkand
Die Sher Dor Madrase auf dem Registan Platz
Die Sher Dor Madrase auf dem Registan Platz

Ein Teil der Bibi-Xonum Moschee in Samarkand
Ein Teil der Bibi-Xonum Moschee in Samarkand
Schöne Deckenkonstrukte mit Schweizer Tourist
Schöne Deckenkonstrukte mit Schweizer Tourist

Der Bazar in Samarkand
Der Bazar in Samarkand
Im Schahi-Sinda-Ensemble. Grabstätter der Emirate und Propheten
Im Schahi-Sinda-Ensemble. Grabstätter der Emirate und Propheten

Seit der Mongolei gibt diesen russischen Fahrzeugtyp in unzähligen Varianten
Seit der Mongolei gibt diesen russischen Fahrzeugtyp in unzähligen Varianten
Die Quartierstrasse meines Guesthauses. Hinter den Mauern sieht es besser aus
Die Quartierstrasse meines Guesthauses. Hinter den Mauern sieht es besser aus

Sieht noch gut aus, ist aber geschlossen und am verwahrlosen
Sieht noch gut aus, ist aber geschlossen und am verwahrlosen
Alles flach und viel Landwirtschaft prägen die Strecke nach Buchara
Alles flach und viel Landwirtschaft prägen die Strecke nach Buchara

Der Gegenwert von USD 70. Da fühle ich mich direkt reich
Der Gegenwert von USD 70. Da fühle ich mich direkt reich
Täglich begegnen mir Teilnehmer der Mongolen Rally. Sie kommen aus St. Gallen
Täglich begegnen mir Teilnehmer der Mongolen Rally. Sie kommen aus St. Gallen

Der Ark in Buchara. Residenz der Emirate
Der Ark in Buchara. Residenz der Emirate
Die imposante Mauer des Ark
Die imposante Mauer des Ark

Das Kalon Minaret in Buchara
Das Kalon Minaret in Buchara
Genau die richtige Kopfbedeckung bei 40 Grad und mehr
Genau die richtige Kopfbedeckung bei 40 Grad und mehr

Buchara ist kleiner und übersichtlicher als Samarkand
Buchara ist kleiner und übersichtlicher als Samarkand
Solche Rundkuppeldächer gibt es wenige
Solche Rundkuppeldächer gibt es wenige


Durch den Anzob Tunnel nach Usbekistan

Von Dushanbe nach Samarkand - Usbekistan

Tag 43 (Km 7'719)

Ich öffne mein Helmvisier und klappe das Kinnteil zurück. Ah - frische Luft.

 

Keine 10 Meter vor mir hängt ein Soldat in einem Klappstuhl und schaut mich belustigt an. Er sieht vermutlich öfters Motorrad- oder sogar Fahrradfahrer, die gerade den Anzob Tunnel passiert haben und hier halten, um Luft zu schnappen. Dann blicke ich zurück und sehe, was ich schon oft gelesen habe. Schwarzer Abgasrauch steigt aus der Röhre auf.

 

Der Tunnel wurde ursprünglich gebaut, um den beschwerlichen Weg über den Pass zu erleichtern. Die Bauarbeiten wurden aber dermassen schlecht ausgeführt, dass der Tunnel schon kurz nach der Eröffnung den Namen Tunnel of death erhielt und als die gefährlichste Röhre der Welt gewertet wurde. Dies, weil kein Licht installiert wurde, der Bodenbelag schon nach wenigen Wochen mit riesigen, nach Regen mit Wasser gefüllten Löchern bestand und keine Lüftung installiert wurde. Das führte oft zu Staus innerhalb der 5 km langen Röhre oder Unfälle. Ohne frische Luft war das für die betroffenen Menschen lebensgefährlich.

 

Vor drei Jahren wurde endlich nachgebessert. Jetzt gibt es zumindest diffuses Licht und vor allem keine Belagslöcher mehr. Eine Lüftung fehlt aber noch immer. Der Sicherheitsstandard ist auf der Skala 0 einzustufen. Passiert etwas im Tunnel, wird es auch heute noch schnell bedrohlich. Die einheimischen Autofahrer tragen hier ebenfalls vieles mit ihrer Fahrweise, wie zum Beispiel überholen, dazu bei.

 

Abgesehen von diesem Loch ist die Fahrt über die Berge wunderschön. Hinzu gesellt sich eine gute ausgebaute Teerstrasse. Endlich mal wieder Motorradfahren oder dauernd den Blick auf der Strasse haben zu müssen.

 

Die Route führt ab Dushanbe für längere Zeit dem Yarzob Fluss entlang, an dem sich die wohlhabenden Leute aus Dushanbe ausbreiten. Die Siedlungen sind deshalb voll mit schönen Häusern und ebensolchen Hotel- und Restaurantanlagen.

 

Da ich vergessen hatte, am Vorabend Wasser zu kaufen, halte ich an einem Restaurant mit Kühlschrank vor der Türe. Ich habe noch nicht einmal den Motor abgestellt, steht schon ein Mann mit seinem Sohn neben mir und begrüsst mich mit Händedruck. Weitere zwei Männer folgen und bestaunen meine KTM. Den Namen einer Person zu wissen ist hier auch wichtig und so fragen sie mich dies als Erstes. Eine weitere Person kommt hinzu, die etwas mehr Englisch spricht und organisiert mir meine drei Liter Wasser. Mein Blick bleibt dabei auf dem Fleischkloss hängen, der an einem Kleiderständer hängt. Das bleibt natürlich nicht unbeachtet und resultiert zu einer Einladung zum Lammessen. Ohne die noch spürbaren Magenproblemen der letzten zwei Tagen und etwas später am Tag, wäre das Angebot verlockend gewesen. So bedanke ich mir mehrmals freundlich und verschiebe mich zum Motorrad.

 

Nach der Talfahrt vom Anzob Tunnel führt mich die Strecke langsam zu den Bergen hinaus Richtung Usbekistan. Die Vorboten der Grenzzone sind fünf Fahrzeuge der Mongolen Rally 2018, die am Strassenrand stehen. Einige davon sehen schon ziemlich havariert aus.

 

Der Grenzübertritt ist dann mit Abstand der Angenehmste. Sowohl die tadschikische Seite als auch die für ihre strenge Kontrolle berüchtigen usbekischen Beamten sind äussert freundlich, schauen, dass ich sofort an die Reihe komme, verlangen keinerlei Geld für irgendetwas und vor allem will niemand auch nur ansatzweise mein Gepäck kontrollieren. Die von beiden Ländern fürs 2018 ausgerufenen Charmeoffensive für mehr Tourismus zeigt Wirkung, die ich dankend annehme.

 

Samarkand, eine der schönsten Städte der Seidenstrasse, erreiche ich so früher als erwartet. Die verbleibende Zeit bis zum Nachtessen verbringe ich auf der Terrasse des Guesthouse mit feinen Wassermelonenstücken und Grüntee. Ein schönes kaltes Bier gibt es dann zum Dinner.

Am Yarob Fluss zieht die wohlhabenden von Dushanbe an
Am Yarob Fluss zieht die wohlhabenden von Dushanbe an
Frisches Lamm am Kleiderständer
Frisches Lamm am Kleiderständer

Es geht hoch in die Berge
Es geht hoch in die Berge
Das schwarze Loch, genannt Anzob Tunnel
Das schwarze Loch, genannt Anzob Tunnel

Die wunderschöne Talfahrt
Die wunderschöne Talfahrt
Ob den jemand abholen kommt?
Ob den jemand abholen kommt?

Mal wieder eine schöne Teerstrasse
Mal wieder eine schöne Teerstrasse
Noch eine letzte dieser typischen grünen Oases entland der Flussläufe
Noch eine letzte dieser typischen grünen Oases entland der Flussläufe

Spektakulär führt die Strecke zu den Bergen hinaus
Spektakulär führt die Strecke zu den Bergen hinaus
Auf  Wiedersehen Tadschikistan
Auf Wiedersehen Tadschikistan

Lecker. Willkommensgeschenk des Guesthauses in Samarkand
Lecker. Willkommensgeschenk des Guesthauses in Samarkand
Idylischer Parkplatz für die KTM im Innenhof des Guesthouses
Idylischer Parkplatz für die KTM im Innenhof des Guesthouses