Mit dem Motorrad durch Spanien, Pyrenäen, Tor, Suzuki DRZ400S

Moskitos und per pedes ins Vall de Nuria

Auf Anhieb finde ich mein für drei Tage gebuchtes Appartement in Le Boulou. Die Einfahrt ist durch ein Tor gesichert. Das gefällt mir. So parkt meine Enduro fern ab von Langfingern.

 

Die Vertreterin des Vermieters ist bereits hier und freut sich offensichtlich, dass ich pünktlich zum abgemachten Zeitpunkt da bin. Das hält sich aber nicht davon ab, mich gleich mit Einzelheiten zuzutexten, obwohl ich noch nicht mal meinen Helm abgezogen habe.

 

Ich stehe also auf die kommunikative Bremse, damit ich meine Handschuhe und Jacke abziehen kann. Es ist nämlich recht warm hier.

 

Fünf Minuten später wäre ich froh, hätte ich die Jacke anbehalten, Die heimische Moskitogrossfamilie hat mich nämlich mit Freude in ihre Blutsammlung aufgenommen.

 

Das Appartement gleicht mehr einer umgebauten Garage mit Glastor als einem lichtdurchfluteten Studio. Ohne Fenster gibt es auch keine gute Durchlüftung, weshalb mir die Erklärende die Lüftung schmackhaft machen will, die mit lautem Getöse windböenartige Luftströme durch die Wohnungsgarage jagt.

 

Da lasse ich lieber einen Teil des Glastores offen, was die Moskitogemeinschaft mit Jubelsummen quittiert. Ihre Stacheln wetzend umkreisen sich mich und warten darauf, dass ich ihnen schlafend wehrlos ausgeliefert bin.

 

Gross ist ihre Enttäuschung, als ich mein Innenzelt, das einem Moskitonetz gleichkommt, auf dem französichen Doppelbett aufbaue und mich lesend, mit viel Licht, darin ausbreite.

Tags darauf schaut mich meine Schmutzwäsche mitleidig an, weshalb ich sie mit einer ausgiebigen Wäsche aufheitere. Der Rest des Tages gehört dem Einkaufen, Arbeiten und natürlich Ausruhen.

 

Bedeckt und stürmischer Wind ist für heute angesagt, aber kein Regen. Zeit also für eine erste Erkundungstour in die Pyrenäenlandschaft.

 

Mein erstes Ziel ist der Aussichtspunkt mit dem klingenden Namen «Table d'orientation Hauts de Port-Vendres». Schön wär es da oben, wenn die weite Sicht auf die Küste nicht förmlich vom Winde verweht würde. Den Ruinen nach zu Folge, gab es hier früher ein Restaurant mit Aussichtsterrasse. Muss schon länger her sein.

 

Hinter der übernächsten Kurve biege ich von der Teerstrasse ab und schottere dem Berghang entlang zur spanischen Grenze beim Col du Berger Mort (Coll de Banyuls) der gerade mal 357 Meter hoch ist. Der Grenzübertritt wird von riesigen Steinen versperrt. Noch eine Folge der Grenzschliessungen wegen der Pandemie. Dank der schlanken Linie meiner Enduro schlänge ich mich zwischendurch.

 

Zwei Stunden später bin ich zurück in Frankreich und parke die Maschine am Ende eines Bergsträsschens vor dem Refuge de Batère. Früher wohnten hier die Arbeiter der umliegenden Minen. Jetzt rottet das riesige Gebäude hauptsächlich vor sich hin, wobei In einem kleinen Teil den Sommer hindurch eine einfache Unterkunftsmöglichkeit angeboten wird.

 

Schotternd überquere ich einen weiteren Pass und gelange zu den Ruinen einer alten Mine. Eine Stunde später summen bereits wieder die Moskitos ihr Blut-Lied über meinen Kopf.


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Zwei Garagennächte später verlasse ich Frankreich über den 1'500 Meter hohen Col d'Ares und schottere geruhsam nach Ribes de Freser im Vall de Nuria.

 Hier tausche ich die Enduro Stiefel gegen Outdoor Schuhe und wandere hinauf zur Basilica Santuari de la Mare de Deu de Nuria.

Eigentlich ein sehr touristischer Ort, der über eine Zahnradbahn mit unzähligen Besuchenden geflutet wird. Wegen der Pandemie und Saisonende ist jetzt aber Ruhe auf 1'970 Meter liegenden Ort eingekehrt.


Die Ortschaft Sort, mein jetziger Standort, erreiche ich über eine Schlaufe nach Andorra. Durch meine Pyrenäen Tour im Jahr 2014

weiss ich, dass die Stadt ausschliesslich dem Einkaufstourismus dient (Steuerfreie Zone) und sonst nichts zu bieten hat. Deshalb umfahre ich die Metropole auf einer kurvigen Bergstrasse mit Blick ins Tal. Doch zuerst stehe ich am Spanisch-Andorra Grenzposten in der Schlange, weil auch hier seit der Pandemie stichprobenmässig Kontrollen durchgeführt werden.

 

Über den Col de Cabus gestaltet sich der Grenzübertritt zurück nach Spanien einiges einfacher. Hier ist nämlich niemand.

Die Teerstrasse endet punktuell an der Grenze zu Spanien, ab wo ein alter, ausgewaschener Schmugglerpfad (Schotterpiste) hinunter zur Siedlung Tor führt.

 

Ob heute noch Schmuggler auf dieser Piste unterwegs sind? Wohl kaum. Dafür ist die Strecke bei der Enduristen- und Allradfraktion viel zu bekannt, als dass hier noch jemand auf geheimen Wegen und vollbepackten Mulis unverzollte Ware verschiebt.



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