Nach einigen Ruhetagen ruft Andalusien

Die Ruhetage in Caroveiro schmelzen dahin, wie Butter in der Sonne. Kein Wunder bei weiteren Spaziergänge entlang der Steilküste, gutem Essen und relaxen an der Sonne.

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Bei leichter Bewölkung, dafür einmal ohne Wind, packe ich meine Sachen zusammen und belade meine Enduro, die sich sehnlichst darauf freut, endlich wieder loszufahren.

 

Schon nach einigen Kilometern lasse ich die touristisch geprägte Südküste der Algarve hinter mir und rumple über die erste die ersten Schotterstrasse. Es ist ganz normal, das etliche der Nebenstrassen im Hinterland nicht geteert sind. Wieso auch, bei dem wenigen Verkehr.

 

Den höchsten Punkt erreiche ich bei der Ortschaft Monchique beim Miradouro Foia. Eignetlich würde man von hier oben die West- und Südküste der Algarve sehen, aber leider versperren mir die Wolken die Weitsicht.

 

Über das Wetter will ich mich aber nicht beklagen. Denn eines ist sicher, Die Sonne übernimmt hier schnell wieder die Oberhand.

Weiter kurve ich durch Waldgebiete, die teilweise stark abgeholzt und wieder aufgeforstet wurden.

 

Das hinterlässt ein kurliges Bild von kahlgeschorenen Hügeln zwischen grünen Bergkämmen. Dazwischen schlängelt sich die Strasse hindurch und die Hügeleinschnitte für den Strassenbau legen die farbenfrohe Erdbeschichtung frei.

 

Farbenfroh mögen es auch die Besitzer*innen des Buses mit Wohnwagen, der mir am Strassenrand entgegenleuchtet. 

 

Eine Abwechslung sind die Dorfdurchquerungen mit ihren engen Gässchen bei denen ich mich jedesmal frage, wie die Anwohner ihre Autos hier durchzirkeln.

 


Bei einem der vielen Fontes, Quelle, lege ich eine Pause ein und kurble mir Trinkwasser direkt von der Quelle hoch. Erfrischend.

 

Am späten Nachmittag gelange ich nach Tavira und schlendere noch ein wenig durch die ruhigen Altstadtgassen bevor ich ein hervorragendes indisches Menü verköstige.

Ich lege in Tavira einen weiteren Ruhetag ein und besuche die Ilha da Tavira. Eine Insel aus Sand mit kilometerlangen Strand.

 

Die Passagierfähre gondelt direkt von der Altstadt inTavira los und 30 Minuten später stampfe ich bereits durch den weissen Sand entlang der endlosen Beach.

Traumhaft - strahlender Sonnenschein mit angenehmen Temperaturen und keine Leute.

 

Nebenbei entdecke ich in den zigtausenden von Muscheln einen ausgetrockneten Seeigel, einen Seestern und ein Gebiss. Nein, nicht von einem Hai, sondern von einem Menschen, der / die wohl zahnlos nach Hause ging.


Wieder zurück in Tarifa durchstreife ich auf dem Weg zu meiner Unterkunft weitere kleine Gässchen. Dabei fällt mir einmal mehr auf, in welch unterschiedlichem Zustand die Häuser sind. Herausgeputze, renovierte Häuser wechseln sich mit abbruchreifen oder zerfallenen Liegenschaften ab.

Mein letzter Tag in Portugal starte ich mit einem Besuch der Siedlung Cacela Velha. Malerisch liegen die wenigen Häuser und eine zerfallene Burg etwas erhöht über dem Meer.

 

Der peitschende Wind sorgt dafür, dass das Dorf einen unbewohnten Eindruck macht. Ich würde mich auch verkriechen, wäre ich nicht nur für eine kurze Zeit hier.

 

Der Wind verdirbt mir den Spass an der Weiterfahrt zum Grenzfluss Guadian und den Salinas Corredora. Die heftigen Böen spielen nach Lust und Laune mit meiner leichten Enduro. Vorbei mit entspanntem cruisen.

 

Mein Stopp bei den Salinas gestalte ich deshalb kurz und entfliehe dem Gebläse entlang dem Grenzfluss ins Landesinnere.

Der Guadian entpuppt sich breiter, als ich angenommen habe. Es gibt sogar Seegelboote bis weit ins Land hinein. Doch eher ungewöhnlich für einen Fluss.

 

Beim Flusssiedlung Alcoutim halte ich und bestaune das gegenüberliegende weisse spanische Dorf Sanlucar de Guadiana. Die hochoben liegende grosse Burg deutet darauf hin, dass beiden Dörfer in früheren Zeiten einige Auseinandersetzungen miteinander hatten. Natürlich hat deshalb Alcoutim ebenfalls eine ebenwürdige Burg aufzuweisen.

 

Das Burgdorf Mertola ist meine letzte Ortschaft in Portugal. Noch ein Obligado dem Tankwart an der Tankstelle und schon heisst es «Hola, buenas dias en Andalucia».


In Spanien zeigt die Uhr eine Stunde später an als in Portugal. Deshalb läuft morgens vor 09.00 Uhr fast gar nichts. Ist aber ok, weil die Sonne eh erst um 08.15 Uhr aufgeht und ihre Wärme nicht vor 10.00 Uhr ausbreitet

Trotzdem bin ich heute früher wach. Als Belohnung bewundere ich den Sonnenaufgang von meinem Fenster aus. Pua, was für eine Kulisse. Rechts die aufgehende Sonne, die langsam die links auf dem Berg stehende alte, renovierte Windmühle beleuchtet.


Noch ein Cafe con leche mit Tostados in der Dorfbar und los geht es. Heutiges Ziel ist Aracena im gleichnamigen Parc Natura.

 

Selbstverständlich verläuft meine Strecke nicht über die Hauptverkehrsachsen, sondern wie üblich über die kaum befahrenen Nebenwege. Und so kommt es, dass eine dieser Schotterpisten entlang eines grossen Geheges verläuft, eigentlich nichts aussergewöhnliches, und dahinter schwarze Schweine herumrennen. Bis mein Hirn diese Aufnahme durch meine Augen ausgewertet hat und meldet «Stopp! Das sind die berühmten Iberischen schwarzen Schweine» sind sie weg. Da nützt alles Warten nichts. Vermutlich wissen die Tiere zu gut, dass wir Menschen gerne Teile von ihnen luftgetrocknet vor uns auf dem Teller haben.

 

Während meiner ersten längeren Pause auf dem Miradour Cerro de San Cristobal präsentiert sich mir Andalusien von seiner grünen Seite, bespickt mit weitversträuten weissen Dörfern.

 

Im Dorfkern von Castano del Robledo halte ich erneut für einen Koffeinschub. In der einzigen Bar tummelt sich das halbe Dorf und diskutiert stehend und sitzend um die wenigen Tische herum.

Freundlich werde ich von allen begrüsst und als ich mit einem Kaffee in der Hand von der Bar zurück komme, bieten mir gleich mehrere Leute einen Stuhl an. Spanische Freundlichkeit.

 

Gegenüber der Bar liegt der Dorplatz. Zwei Männer stellen gerade die letzten Objekte der Weihnachtsdekoration auf und fahren kurz danach davon. Die poppige Aufmachung zieht mich an und so gehe ich rüber. Die Krippe, jedenfalls nehme ich an, dass es eine ist, besteht aus kurligen bunten Filzfiguren. Als ich mich umdrehe bemerke ich auch die lustige Puppe an einem Fenster der Dorfbar. Weinachtsschmuck der anderen Art.

 

Das bevölkerte Aracena erreiche ich am späten Nachmittag. Bereits die Inhaberin der gestrigen Unterkunft hat mir gesagt, dass es vermutlich viel Leute haben wird, weil am Montag und Mittwoch der kommende Woche Nationale Feiertage in Spanien sind und deshalb viel Leute Ferien haben. Das erklärt auch die überteuerten Unterkunftspreise.

 

Lust auf grosse Menschenmassen habe ich zwar nicht, vertrete mir aber trotzdem noch etwas die Beine und mische mit ein wenig unter die Leute am Weihnachtsmarkt mit musikalischer Liveunterhaltung.


Irgendwie wird es heute nicht hell in meinem Zimmer. Ein Blick aus dem Fenster klärt die Sache. Nebel. Das passt ja wohl gar nicht zu Andalusien.

 

Eine Stunde später starte ich den kalten Motor und brause in die kalte Suppe hinein. Keine 10 Kilometer lacht mich aber bereits wieder der blaue Himmel an.

 

Meine heutige Route führt mich zur berüchtigten Minas de Riotinto. Sie ist Europas grösste Tagebau Mine mit einer 5'000 jährigen Bergbaugeschichte. Grösstenteils ist die Mine ausser Betrieb und wird nur noch für touristische Zwecke genutzt. Die gewaltigen Umweltschäden verschwinden wohl nicht so schnell. Sinnbild dafür ist der rotefärbte Fluss Rio Tinto, der seine Brühe bis in den Atlantik führt.

 

Doch zuerst werde ich wieder einmal durch eine Strassensperrung gestoppt, die mir leider die Durchfahrt zur Mine auf einer Schotterpiste versperrt. Schade.

Zurück auf die Hauptstrasse und auf direktem Weg ins Minengebiet.

 

Unglaublich, führt doch die Hauptstrasse mitten durch einen riesigen roten See mit abgestorbener Landschaft darum herum.

 

Ich biege auf eine geschotterte Abkürzung ab und erreiche danach das Besucherzentrum bei der Mine Pena de Hierro, welche Teil der Minas de RioTinto ist.

 

Ein Bergwerktunnel führt zum gleichnamigen See, der sich im Tagebauloch gebildet hat. Ich bezahle den Eintritt und setze mir den Bauhelm auf und rein in den Tunnel.

 

Wieder draussen kurve ich zurück über die Schotterpiste und biege in etwa in der Mitte nach rechts ab. Gemäss meiner OSM Karte sollte auch dieser Weg zur Hauptstrasse zurückführen, aber viel näher am roten See entlang. Das stimmt zwar, dafür ist die Strecke eine kleine Herausforderung.


Das Ausmass der Mine präsentiert sich mir dann vom Mirador Minas de Riotinto. Wobei auch das nur ein Teilbereich ist, wurde und wird über Kilometer hinweg in diesem Gebiet abgebaut.

Beeindruckt vom Ausmass der Mine verlasse ich das Gebiet in Richtung Westen. Beim Routenplanen habe ich eine längere Schottenpiste gefunden, die durch ein dünnbesiedelte Gebiet führt. Das interessiert mich natürlich.

 

Auf dem Weg dahin überquer ich den Fluss Odiel, der eigentlich schon weit weg von der Minas de Riotinto verläuft, aber ebenfalls zu einer roten Brühe verkommen ist.

 

Eine Viertelstunde später biege ich links weg auf die Rüttelpiste ab. Ich werde nicht enttäuscht. Durch Wälder, entlang riesiger Viehherden und über eine lange Wasserfurte bringt mich die Strecke zu meiner Unterkunft in Trigueros.

Dazwischen stoppe ich bei einer verlassenen Siedlung und durchstreife eines der Gebäude. Sieht ziemlich baufällig aus, da lass ich lieber den Helm auf.

 

In der grossen Halle liegt eine Matratze und diverse Kleider und Kochutensilien. Sieht so aus, als ob hier jemand Unterschlupf findet.

 

Ein spätes Mittag- Nachtesse in einem traditionellen Stierkampflokal rundet meinen Tag ab.


Über Facebook stehe ich mit Uwe und Andy seit einigen Tagen in Kontakt. Sie sind ebenfalls in Portugal und Spanien unterwegs. Heute kristallisiert sich heraus, dass wir ganz in der Nähe sind. Wir verabreden uns daher spontan bei den Solarturmkraftwerken in der Nähe von Sevilla.

 

Solarturmkraftwerk? Was ist das? Wikipedia liefert die Erklärung - unzählige Reflektoren-Spiegel leiten das Sonnenlicht an einen Punkt des Solarturms.

Dadurch entsteht eine grosse Hitze die im Turm ein Wärmeträgermedium erhitzen, wodurch Wasserdampf entsteht. Mittels dieses Wasserdampfes wird eine Dampfturbine angetrieben, welche Strom produziert.

 

Wieder was gelernt. Hätte ich die Türme einfach so im Feld rumstehen sehen, hätte ich eher auf eine Ufostation oder auf eine Filmkulisse für den Film Herr der Ringe getippt.


Spontan packen die beiden ihre Kaffeemaschine und Kocher aus und brauen uns ein feines Warmgetränkt inklusive Kuchen vom Frühstück. Ein lustiges Bild mit der modernen Solartechnik im Hintergrund.

 

Eine Stunde später verabschieden wir uns wieder. Sie reisen weiter nach Gibraltar und dann weiter in Richtung Heimat.

Meine Route zeigt Richtung Süden zur Westernstadt El Rocio. Auf dem Weg dahin tront auf einem Hügel die riesige Statue eines Osborne Stiers. Das Markenzeichen Andalusien.

 

In El Rocio ist lediglich die Hauptstrasse durch die Siedlung geteert. Alle anderen Strassen sind Sandpisten. Die Hotelanfahrt bringt mich da ganz schön ins Rutschen.


Ich sattle gegen 10 Uhr mein Stahlpferd und pflüge mich durch den Sand auf die Hauptstrasse zurück.

 

Ein paar Kilometer weiter wartet die unbefestigte Einfahrt zum Visitor Center des Nationalpark Coto de Donana.

 

Die über 25km lange Anfahrt verläuft fast nur geradeaus entlang mir unendlich erscheinenden Agrarfelder. Vom Feuchtigkeitsgebiet des Nationalparks sehe ich leider kaum etwas. Hierzu wäre ein mehrstündige Safaritour ab dem Visitor Center angesagt, die im Vorfeld über das Internet gebucht werden kann. Leider sind für heute alle Touren ausgebucht.

 

So holpere ich auf einer anderen Zufahrtsstrasse zurück und überquere kurz unterhalb Sevillas den Fluss Guadalquivir auf einer Flussfähre.

Die Abfahrt dauert etwas länger, weil der Ferryman eine Pause braucht. Unterdessen spricht mich ein Fahrradfahrer an, der mein Nummernschild gesehen hat. Interessiert fragt er nach, wie lange ich schon unterwegs bin und wohin ich reise. Sein Spanisch ist für mich gut verständlich und so diskutieren über meine und seine Reisen mit dem Fahrrad.

 

Nach der Überfahrt folge ich auch einer Schotterstrecke eine Nebenfluss des Guadalquivir, was sich als recht spannend entpuppt. Die Landschaft wird feuchter und sumpfiger. wodurch viel Felder unter Wasser stehen. Entsprechend tummeln sich etliche Vögel in den Gewässern.

 

Etwas später erblicke ich dann von weitem einen grossen Schwarm Flamingos. Langsam und ruhig nähere ich mich ihnen und laufe die letzen paar hundert Metern zu Fus. Das müssen mehr als Hundert sein, die genüsslich im seichten Wasser nach Futter suchen.


Mit Ziel Tarifa starte ich heute die Enduro und cruise gemütlich auf einer wenig befahrenen Strasse nach Arcos de la Frontera. Die Ortschaft verläuft auf der einen Seite spektakulär eine Steilklippe entlang. Aber leider ist sie bedingt durch die populäre Ferienwoche schon morgens mit Menschenmassen überfüllt. Ich begnüge mich deshalb mit einem Panoramafoto.

 

Einiges später rumple ich wie jeden Tag über eine Schotterpiste. Bald darauf versperrt mir ein Gatter die Weiterfahrt in meine Richtung. Eine grosse Tafel weist darauf hin, dass dahinter Privatbesitz ist.

 

Die Karte im Navigationsgerät zeigt mir weiter vorne noch andere Abbiegmöglichkeiten an. Also los.

 

Daraus wird dann nichts, weil bei allen Strässchen in meine geplante Richtung ein geschlossenes Gatter steht. Und so kommt es, dass ich einen 30km langen Umweg fahre.

 

Wieder auf meiner ursprünglich geplante Route folgt bereits der nächste Schotterabschnitt. Dieses Mal geht es an einigen kleineren Fincas vorbei, wo Hunde frei rumlaufen. Die kläffen mich ganz schön an und zeigen mir ihre Zähne. Die Anhaltemethode hilft einmal mehr und hält die Hunde auf Distanz.

Als ich in der nächsten grösseren Ortschaft für eine längere Strecke auf Teerstrasse wechseln will, stoppt mich eine Baustelle. Der anwesende Polizist verweist mich auf die Umleitung, da kein Durchkommen ist. Schon wieder ein Umweg von über 25km.

 

Bei La Palmar stosse ich einiges später an die Küste und folge ihr in Richtung Tarifa.

 

Heute ist der Tag der gesperrten Strassen. Als ich nämlich auf das Strässchen zum Leuchtturm am Kap Trafalgar einkurve, stoppt mich eine weitere Tafel mitten auf der Strasse mit dem Hinweis; Parkplatz beim Leuchtturm besetzt. Zudem würde die Fahrt € 3.00 kosten.

 

Oft werden wir als Motorradfahrende bei solchen Situationen trotzdem durchgelasen. Hier leider nicht. Der anwesende Platzwart ist alles andere als freundlich und deckt mich mit seinem Missmut zu. Ich drehe mich um und winke ich beim davonfahren freundlich zu. Mehr bleibt mir da nicht übrig.

 

Mit Afrika im Blickfeld gelange ich nach Tarifa und quartiere mich im einem Hostal ein.


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