Reiseberichte


Motorrad-Abenteuerreise für Spontane

«Balkan- Karpaten Tour / Samstag 05. Juni - Samstag 03. Juli 2021»

Der Tour Name wird unserer Abenteuerreise schon im Vorfeld gerecht, war doch bis vor ein paar Tagen weder sicher, dass wir starten können, noch in welche Richtung die Grenzen ohne Quarantänepflicht offen sind.

 

Das Warten und Bangen hat sich aber gelohnt, den immer mehr Regierungen anerkennen jetzt die positiven Wirkungen der COVID19 Impfungen und gewähren dadurch geimpften, genesenen und getesteten Personen erleichterte Einreisen.

 

Und so starten wir in zwei Tagen auf unsere Abenteuerreise in den Balkan und den Karpaten mit dem Wissen, dass unsere Spontanität in den nächsten vier Wochen getestet wird.

 

Lese weiter unten, was wir auf unserer Motorradreise alles erleben.

 

Viel Spass.


Unsere Motorradgruppe

Feedbacks zu unserer Reise

Eine fantastische Reise in den Balkan bis zum Schwarzen Meer nach Nesebar. Wir durften die schönsten Landschaften durchfahre zum Teil auf normalen Strassen zum Teil doch auch auf anspruchsvollen Schotterstrassen.

Für mich persönlich war das die schönste Motorrad Tour, die ich je gemacht habe.

 

Das Reisen mit dem Motorrad in entlegenen Regionen des Balkans wird zu einem unvergesslichen Abenteuer, wenn man mit Christian einen erfahrenen und kompetenten Guide zur Seite hat. Auf meiner ersten grösseren Moorrad-Reise fühlte ich mich jederzeit hervorragend aufgehoben und konnte so auch schwierige Passagen problemlos meistern. Die Routenplanung war einmalig und hat uns täglich neue landschaftliche und kulturelle Höhenpunkte geboten.

 

Eine fantastische Reise durch unbekanntes aber sehr interessantes Gebiet wurde uns geboten. Der Balkan für Motorrad Reisen eine Sensation, kKann ich nur empfehlen. Lad und Leute, alles gut. Dasselbe gilt für die Karpaten udn auch die hohe Tatra. War eine super Tour, ein Dank schön an alle Begleiter.

 

Fantastische Strassen / Kurven, Landschaften, Kulturen und Menschen. Beschämed für uns Mitteleuropäer die Armut und die Gegensätze in vielen bereisten Gegegenden. Da die Grenzen erst vor kurze für Touristen geöffnet wurden, ein einmaliges Erlebnis, selbst an sonst überlaufenden Orten

Einen besonderen Dank an Christian für die aufwendige Planung unter diesen schwierigen Umständen und die vielen Highlights. Ebensolcher Dank an die gesamte Gruppe, wir haben in den vier Wochen eine Menge Spass gehabt, nicht nur beim Fahren On und Offroad.


Unsere Route

Für Bilder klicke auf die blauen Feldstecher


Zu unserem Treffpunkt bei Innsbruck und weiter bis nach Nötsch im Gailtal in Kärnten

Tage 01 - 02 (588 km)

Nach der langen Corona-Reisepause sind wir glücklich loszufahren. Und so treffen wir uns im Hemberg, um zusammen nach Innsbruck zu kurfen, wo wir zwei weitere Mitreisende aus Deutschland begrüssen und unsere Abenteuerreise offiziell starten.

 

Leider hat sich mit uns auch eine Schlechtwetterfront auf die Reise durch Europa gemacht. Anfangs zeigte sie uns lediglich ein paar graue Wolken gepaart mit einer angenehmen Temperatur. Je näher wir aber unserem Campingplatz bei Innsbruck kommen, je mehr droht uns die Front mit Regenwolken, wie wenn sie uns vom zelten abhalten wollte.

 

Wir lassen uns aber nicht einschüchtern und bauen fleissig unsere Zelte auf. Das belohnt uns die Front mit einem heftigem Regenguss, der sich nachts zwar wieder beruhigt, aber am Morgen beim Zeltabbau wieder zu neuem Schwung ausholt.

 

Unser erster Reisetag klingt mit einem feinen Nachtessen im campingeigenen Restaurant aus.

Das kalte Mai Wetter bescherte auch den österreichischen Alpen Neuschnee, weshalb die meisten Passübergang nach Kärnten geschlossen sind. Da bleibt dann nur noch die Wahl von entweder Tunnel oder die alte Brennerpassstrasse, für die wir uns entscheiden.

 

Doch zuerst geht es noch zum Antigen-Schnelltest, den einige von uns benötigen, um bis nach Kroatien reisen zu können. Keine 20 Minuten später haben wir den ersehnten Zettel mit dem negativen Bescheid in der Hand und losgehts.

 

Wer sich von uns eine ruhige Passfahrt vorgestellt hat, wird schnell eines besseren belehrt. Scharenweise kommen uns Motorradfahrergruppen entgegen, die sich wie bei einem Slalomrennen, um die ebensovielen Autos herumschwingen. Stimmt, am Donnerstag war Fronleichnam, was viel nutzten, um endlich mal wieder nach Italien zu fahren und jetzt auf dem Rückweg sind.

 

Bei einer Pause gibt es dann bereits die erst Kleinreparatur. Die Birne von einem Rücklicht hatte genüg vom ewigen leuchten.

 

Über den Passo Stallo beruhigt sich der Verkehr und die Passfahrt macht trotz dem schlechten Wetter einiges an Spass. Oben liegt noch reichlich Schnee und auf dem Bergsee treiben noch zwei grössere Eisflächen umher.

 

Und wie könnte es anders sein. Kurz vor der Ankuft bei Campingplatz leeren sich einmal mehr die Regenwolken über uns. Das kann eine feuchte Nacht werden.


Von Nötsch im Gailtal durch Slowenien bis zu den Plitvicer Seen in Kroatien

Tage 03 - 04 (988 km)

Ein Blick aus dem Fenster und nein, es sieht immer noch so trüb aus, wie gestern Abend plus ist Nebel aufgezogen.

 

Und so fahren wir oben auf dem Wurzenpass im tiefen Nebel und überqueren die Grenze nach Slowenien. Zum Glück ist der Schlagbaum nicht unten, wir hätten ihn vermutlich nicht gesehen.

 

Etwas mehr südlich wird es heller und wärmer, was uns gleich dazu bewegt, eine Schicht Kleider ins Gepäck zu verstauen. Dann noch einkaufen und weiter geht es.

 

Einige Kilometer vor der Kroatischen Grenze legen wir eine Schlaufe ins Naturreservat des Cerknica Seen ein. Durch die schöne Landschaft führen verschiedene Schotterstrassen, die uns nach all dem Regen mit viel Dreck erwarten.

 

Kurz darauf stehen wir mit unseren besudelten Motorrädern am Kroatien Grenzposten bei Prezid. Da wir alle bereits online das Einreiseformular ausgefüllt haben und die Impf- oder Antigen Schnelltest auf der Internetplattform hinterlegten, lässt uns der Zöllner problemlos passieren.

 

Danach entleeren wir in einem kleinen Dorf dem einzigen Bancomat seine Kunas und kurven weiter nach Süden dem Grenzfluss entlang bis zu unserem heutigen Zeltplatz.

 

Beim Zelt aufstellen haben wir dieses Mal Glück und die dunklen Wolken am Himmel verziehen sich vor ihrer Entladung in eine andere Richtung.

 

Tags darauf brechen wir zu den Plitvicer Seen auf, wo einer der bekannte Winnetour Film «Der Schatz am Silbersee»

gedreht wurde. Davor erkunden wir auf einem alten Militärflugplatz an der Bosnischen Grenze eine DC 10, die da vermutlich seit dem 2. Weltkrieg dahin rostet und landsam von der Natur verschlungen wird.

 

Die Plitvicer Seen besuchen normalerweise über eine Million Menschen pro Jahr. Wegen der Pandemie ist das jetzt natürlich nicht der Fall und wir können das Naturschauspiel fast für uns alleine geniessen. Was für ein Privileg.

Wieder zurück auf dem Zeltplatz zücken wir die Kochmesser, haken Zwiebeln, tauen gefrorene Hackplätzchen am warmen BMW Zylinder auf, verarbeiten Peperonis, würzen und rühren, braten Würste, lachen, trinken und essen am Schluss ein super Menü, das wir den Kochkünste von Thomas verdanken.


Von den Plitvicer Seen auf Winnetous Wegen bis nach Trogir an der kroatischen Adriaküste

Tage 05 - 06 (1'272 km)

Wir heften uns an die Spuren von Winnetou und durchstreifen die Wälder und Wiesen bis uns das Velebit Gebirge stoppt. Wie kommen wir jetzt hier rüber?

 

Dass mit dem Weg suchen nach der Sonnenausrichtigung lassen wir lieber und nutzen als moderne Indianer unser Navigationsgeräte. Und siehe da, es zeigt uns eine geschotterte Strasse über den Mali Alan Pass, den Winnetou und Old Shatterhand in fast allen ihren Filmen überquert haben.

 

Oben auf der Passhöhe angekommen, dampfen unsere Stahlrösser nach der getaner Arbeit. Also lassen wir sie verschnaufen und geniessen während dessen die Aussicht auf die Küste und den kurvenreichen Schotterstrassenverlauf bis hinuter in die Ebene.

 

Unten angekommen rinnen bei einigen von uns die ersten Wassertropfen den Rücken herunter. Nein, es regnet nicht schon wieder, aber die strahlende Sonne und das langsame Tempo über die Kiesstrecke heizen uns ein.

 

Eine weitere kurze Rumpelpiste bringt uns zum Aussichtspunkt über den Zrmanje Canyon, der ebenfalls als Fimlkulisse für einem Winnentoufilm diente.

 

Unsere weitere Strecke bis nach Trogir verläuft auf schmalen Nebensträsschen durch etliche kaum bewohnte Siedlungen. Dazwischen gönnen wir uns eine kalte Erfrischung in Skadrin, dem Ausgangsort zum Nationalpark Krka. Dabei drehen gleich neben unserem Tisch zwei Spannferkel ihr Runde auf dem Grill. Da läuft uns allen gleich das Wasser im Munde zusammen.

 

In Trogir wartet ein Hotelzimmer auf uns, ein gut erhaltene Alstadt, Strände und Restaurants mit leckerem Essen. Hier halten wir es bestimmt einen Tag ohne motorradfahren aus.


Von Trogir mit viel Aussicht über Bosnien Herzegovina nach Montenegro und Albanien

Tage 07 - 09 (1'996 km)

Fertig rumhängen - wir starten die Motoren.

 

Wir folgen der kroatischen Küste nach Süden, wobei wir einige Hügel und einen Berg auf schmalen Strässchen erklimmen. Bei Gegenverkehr wird es teilweise ziemlich eng. Dafür werden wir oben mit Aussichten auf die Küstenregion belohnt.

 

Für Schwindelfreie wurde auf dem Sveti Jure eine Aussichtsplattform mit einem durchsichtigen Boden erbaut. Nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

 

Der heutige Zeltplatz liegt direkt am See, was einige gleich dazu veranlasst ins kühle Nass zu springen. Danach heisst es wieder Essen rüsten und die Kocher anzünden.

 

Der Bosnische Grenzbeamte schüttelt den Kopf und erwidert, dass wir über diesen Zoll keinen Transit durch sein Land erhalten ausser wir haben eine gültige COVID  Impfung oder negativen Test. Kurz darauf strecke ich ihm meine Impfbestägigung durch das Fensterchen und er ist zufrieden.

 

Spannend wird es bei unserem Jüngsten, der wegen seines Alters noch ungeimpft ist und auch keinen aktuellen negativen Test dabei hat. Zuerst macht es den Anschein, dass er umdrehen muss, doch als die Beamten merken, dass der Rest der Gruppe durch den Zoll ist, lassen sie auch ihn passieren. Glück gehabt.

 

Unser nächster Stopp ist die berühmte Bogenbrücke in Mostar. Auch hier zeigen sich kaum Touristen, wodurch wir die Brücke in Ruhe besichtigen können. Das gilt auch für die auf unserem Weg liegende Dervish Haus. Das alte Sufi Kloster liegt idyllisch an einer Felswand und Bach.

 

Unser abgelegenes Camp direkt am Tara Fluss in Montenegro erreichen wir über eine längere Schotterpistenfahrt durch einsame Gebiete im Bosnischen Hinterland. Der Grenzübertritt läuft dieses Mal unproblematisch.

 

Durch den Durmitor Nationalpark und die Tara Schlucht fahren wir bis nach Albanien. Leider wieder mal ohne Sonne, dafür mit reichlich Wasser von oben und schlotter Temperaturen. Von der umliegenden Berglandschaft sehen wir daher kaum etwas. Schade.


Von Albanien über gefühlte 10'000 Kurven bis nach Ohrid in Nord Mazedonien

Tage 10 - 12 (2'420 km)

Wer von unserer Gruppe gedacht hat, die Alpen seien die ultimative Gebirgslandschaft, erlebt in den albanischen Bergen eine Überraschung. 

 

Wild und kaum besiedelt präsentiert sich uns eine gewaltige Bergkulisse, die wir auf einer spektakular verlaufenden Strasse während Stunden durchqueren. Gestoppt werden wir regelmässig von sich überbietenden Aussichtspunkten, von einfach dastehenden Kühen und Schafherden, die gemächlich dahintrotten.

 

Am Ende dieser genialen Motorradstrecke erscheint weit unten der grösste See der Balkanhalbinsel, der Shkroda See. Kaum unten angekommen, sind die angenehmen Bergtemperaturen vorbei und der Hitzepegel unter dem Helm und Motorradjacke steigt und steigt.

 

Zudem machen wir auf der Strecke bis zur Stadt Shkroda mehr und mehr die Bekanntschaft mit der gewöhnungsbedürftigen Fahrweise der albanischen Autofahrenden. Da steigt bei einigen von uns der Puls im Minutentakt und erreicht im Stadtgetümmel die maximale Pulsfrequent, was den Hitzepegel noch etwas mehr in die Höhe treibt.

 

Zeit für eine Kaffee- und Wasserpause bevor es wieder zurück in die albanische Bergwelt in Richtung Nord Mazedonien geht.

 

Rechts, links, Schlagloch, steil abfallend, Spitzkehre, ein kurvenschneidendes Auto, links, rechts, Kies in der Kurve, Hunde... so geht es die letzten 100km und weitere 50km folgen noch. Ganz schön anstrengend. Beklagen wollen wir uns aber nicht, sondern tanken die Bikes auf und kurven weiter.

 

Abends wartet ein feines Nachtessen und bequemes Bett in einem frisch zu einem Gasthaus umgebautes Gehöft auf uns. Die Gastgeber sprechen und zwar keine Fremdsprache, und wir kein Albanisch, aber gross hinderlich ist das nicht.

 

Heute wäre eine längerer Schotterstrassenabschnitt geplant, den wir aber nach Ansicht der Mehrheit auslassen. Stattdessen wählt ein Teil der Gruppe einen Strecke durch den Mavrovo Nationalpark in Nord Mazedonien während der andere Teil der Gruppe den kürzeren Weg entlang dem Debar See wählt und dort durch Zufall in einem Restaurant mit angeschlossener Fischfarm hängenbleibt.

 

Nach und nach erreichen dann alle unser Zuhause in Ohrid am gleichnamigen Ohridsee, wo wir die nächsten zwei Nächte bleiben.

Ohrid gilt als eine der ersten menschlichen Siedlungen in Europa und der Ohridsee ist mehr als drei millionen Jahre alt. So stöbern wir durch die geschichtsträchtigen Altstadtgassen und bestaunen die Aussicht auf den riesigen See.


Von Ohrid quer durch N. Mazedonien nach Bulgarien und weiter Richtung Osten

Tage 13 - 15 (3'020 km)

Wir schalten auf dem Galicia Pass die Motorren ab und staunen über die Ruhe hier oben weit über dem Ohridsee. Kein Flugzeug- oder Autolärm, kein Wind, keine Menschen, einfach Ruhe. Unglaublich.

ecu

Hinzu sieht man auf dem Ohridsee, der immerhin der zweitgrösste See auf dem Balkan ist, kein einziges Boot. Gleich nochmals unglaublich.

 

Es trennen uns nur ungern von diesem idyllischen Aussichtpunkts, aber es warten noch einige hundert Kilometer an Weg auf uns, bis wir Bulgarien erreichen.

 

So düsen wir für einmal auf einer gut ausgebauten Hauptverkehrsachse quer durch Nord Mazedonien und zücken einige Stunden später unsere Impfausweise an der bulgarischen Grenze, damit sie uns einreisen lassen. Leider versteht die COVID 19 delegierte Person kein Englisch und kann mit unseren gelben Impfausweisen der WHO nichts anfangen. Unsere Geduld ist nun ein wenige gefragt, bis telefonisch das OK für unsere Impfnachweise eintrifft.

 

Kurz darauf parkieren wir vor einem Lidl und decken uns mit Würsten, Geflügelbrust, Gemüse und Brot ein mit der Vorfreude im Bauch, auf unser baldiges Barbecue.

 

Am nächsten Morgen gibt es zuerst einmal etwas Kultur. Wir besuchen nämlich das Kloster Roschen, das abgeschieden zwischen Sandsteinbergen liegt.

 

Die Weiterfahrt auf der ersten bulgarischen Schotterstrasse macht Spass und bald darauf erklimmen wir auf einem schmalen, anfangs noch geteerten Strässchen, einen uns unbekannten Pass. Weit oben im letzten Dorft, entwickelt sich die Piste mehr und mehr zu einer Herausforderung für uns. Einerseits ist der Boden der Schotterstrasse durch den Regen der letzten Tage aufgeweicht und andererseits treibt ein russischer Holztransporter mit extra grossen Rädern sein Unwesen auf unserem Weg. Somit beginnt unsere Rutschparty.

 

Konzentriert suchen wir unseren Weg durch die tiefen, schlamigen Reifenrillen und kämpfen dabei noch mit einer Steigung nach der anderen. Dabei kippt die eine oder andere Maschine um, die dann im Teamwork wieder aufgehoben wird. Dazwischen motiviereren wir uns gegenseitig bei kurzen Verschnaufpausen und wühlen uns mit neuer Energie durch die nächsten Schlammpassagen.

 

Zwei Stunden wechselt der Belag wieder auf Teer und bei der ersten sich zeigenden Tankstelle decken wir uns mit kaltem Wasser und einigen Snacks ein.

 

Zum Schluss des Tages crusen wir durch zwei tiefe Schluchten und finden auf einem kleinen Hochplateau eine Bleibe für die heutige Nacht.


Richtung Norden zu den Monumenten und weiter nach Nesebar am Schwarzen Meer

Tage 16 - 18 (3'587 km)

Es zieht uns nach Norden zu einem der skurrilsten Monumente auf der Balkanhalbinsel. Doch zuerst tauchen wir nochmals in die Buynovsko Schlucht ein, die unterhalb unserer Unterkunft liegt.

 

Morgens gibt es hier kaum Verkehr und so gehört uns die Schlucht praktisch ganz alleine. Das nutzen wir doch gleich aus und setzen unsere Motorräder an spektakulären Stellen in Fotoszene.

 

Und weiter geht es im Kurvenmodus entlang dem Vacha Fluss, der gleich zweimal auf unserer Route durch Staumauern gestoppt wird. Auch hier verfolgen oder schneiden keine Autos unsere Wege. Motorradfahren vom Feinsten.

 

Kaum verlässt unsere Strasse die Rhodopen ist dann Schluss mit der Verkehrsgemütlichkeit. Jetzt heisst es Gas geben, damit wir mit den Verkehrsfluss mithalten können. Leider rasen wir zusätzlich direkt in die nächste Regenfront hinein.

 

Unser Ziel ist das Buzludzha-Denkmal, das weit oben wie ein Ufo auf dem gleichnamigen Berg in Zentralgebirge von Bulgarien gelandet ist. Normalerweise ist es schon von weit her sichtbar, wir müssen aber bis auf 50 Meter heranfahren, bevor es sich schattenhaft im dichten Nebel vor uns zeigt. Dazu weht ein kräftiger Wind und der Regen peitscht uns um die Ohren respektive Helme, die wir erst gar nicht ausziehen.

 

Wir kämpfen uns in unserer Motorradausrüstung die wenigen Stufen zum Eingang hinauf und werden dabei von den wenigen anderen Besuchern gleich mehrfach fotografiert. Vermutlich denken sie, dass wir die Crew der hier liegenden Untertasse sind.

(Hier gibt es mehr Infos zum zum Busludzha Denkmal)

 

Wüssten wir, wie man mit Ufos fliegt, wären wir im heiteren Sonnenschein über den Regenwolken zu unserem Nachtquartier gedüst, anstatt durchnässt und ohne viel Sicht über eine Passstrasse zu holpern.

 

Durchnässt stoppen wir abends im MotoCamp Bulgarien, wo wir eine Nacht bleiben. Das Camp ist ausgerichtet auf Motorradreisende aus Nah- und Fern und in normalen Jahren um diese Jahreszeit fast immer ausgebucht. Jetzt ist es kaum besucht und die Anlage gehört quasi uns.

 

Und auch heute weckt uns kein Sonnenschein, sondern weitere, düster dreinblickende Wolken, die nur darauf warten, uns mit ihrem Waser zu bewerfen, was sie dann bald auch tun.

 

Unsere Route verläuft heute nach Osten bis zum Schwarzen Meer. Dazwischen liegen unzählige Dörfer und Siedlungen, die mehrheitlich von Armut geprägt sind. Viele der Häuser sind in einem desolaten Zustand oder bereits am verfallen, werden aber trotzdem bewohnt. Auf den Dorfplätzen, mit ihren typischen russischen Gebäuden, hängen nur noch abgemagerte Hunde oder Katzen herum.

 

Dazwischen das Dorf Zheravna mit seinen alten und renovierten Holzhäusern. Ein wahrer Lichtblick.

 

In Nesebar am Schwarzen Meer, der östlichste Punkt unserer Abenteuerreise, treffen wir am frühen Nachmittag ein. Hier verbringen wir einen Ruhetag und erkunden die zum UNESCO Weltkulturerbe gehörende Altstadt.

Was wir in Nesebar an unserem Ruhetag so alles anstellen


Vom Schwarzen Meer zur Donaugrenze nach Rumänien und in die Karpaten zum Schloss Bran

Tage 19 - 21 (4'145 km)

Wir verlassen Nesebar, unsere östlichste Ortschaft auf unserer Abenteuerreise, und geben in Richtung Norden gas. Die Temperaturen und das Wetter sind für einmal angenehmen, ja für manche sogar schon zu heiss.

 

So fliesst dem Einen oder Anderen Wasser den Rücken hinunten oder der Körper produziert einen kleinen Hitzestau, was unseren Jüngsten dazu bewegt, für einmal die Motorradjacke hinten aufs Gepäck zu binden, um sich durch den Fahrtwind etwas abzukühlen.

 

Die Landschaft wird flacher und flacher und landwirtschaftlich genutzte Flächen ubernehmen das Szenenbild. Dazwischen liegen kleine Dörfer, die wir teilweise auf rumpeligen Teerstrassen oder verlöcherte Naturstrassen mit schön grossen Pfützen durchfahren.

 

Die Donau bildet die natürliche Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien. Um nach Rumänien zu gelangen, gibt es aber  nur eine Grenzbrücke über den Fluss. Alle anderen Übergänge sind mit Schiffen. Entsprechend rollt der gesamte Schwerverkehr über diese Grenzbrücke bei Ruse und dazwischen wir mit unseren Motorrädern.

 

Bevor die Pässe gezückt werden, übernachten wir in einem grenznahen Hotel. Wie eine kleine Oase liegt diese Unterkunft zwischen vierspuriger Autostrasse und Kohle und Atomkraftwerken. Egal, wo das Zimmer liegt, der Ausblick ist dadurch umwerfend.

 

Heute Morgen sind wir früh am Zoll und haben bereits beim ersten Check Point, wo die Gebühr für die Brückennutzung gezahlt werden muss Glück. Der Beamte winkt uns neben der Kolonne und kostenlos durch. So rollen wir keine 10 Minuten nach dem Hotel auschecken zwischen 40 Tonnen Lastwagen über die Donau, wo auf der rumänischen Seite ein freise Zollhäuschen auf uns wartet und die Abwicklung ebenfalls problemlos vorsich geht.

 

Landschaftlich ändert sich auf unserer Weiterfahrt in die im Norden liegenden Karpaten nichts. Dafür rasen uns jetzt riesige Lastwagen um die Ohren. Egal ob Ausser- oder Innerorts, die LKW's drücken voll auf die Tube und brausen mit ihren tonnenschweren Lasten durch die Ortschaften. Aus unserer Sicht ganz schon gefährlich. Vorallem wenn gerade die Schule in einem der Dorfer aus ist und alle Kinder am Strassenrand, natürlich ohne Gehsteige, zu ihren Häusern laufen.

 

Unser erstes Ziel in den Rumänischen Bergen ist das Schloss Bran. Es wird gemuckelt, dass hier einst Graf Dracula gewohnt habe oder besser gesagt, immernoch irgendwo im Keller in seinem Sarg liegt und nachts sein Unwesen treibt.

 

Hoffen wir jetzt mal, dass er wegen dem Touristenmangel der letzten 12 Monate nicht allzu hungrig ist. Sicherheitshalber würzen wir beim Nachtessen alles mit Knoblauch schliessen die Türen / Zelte ab.

Es ist soweit, es wird dunkel und Dracula entsteigt seinem Sarg und holt sich sein Frischblut - zum Glück liegen wir nach knoblauchstinkend im Bett und schlafen seelig..

Was das Schloss Bran sonst noch zu bieten hat


Von Schloss Bran in die Region Moldau und und Burkowina

Tage 22 - 23 (4'649 km)

Ohne Blutverlust brausen wir aus Transylvanien hinaus in die Region Moldau. Unser Ziel ist einerseits die Bicaz Schlucht und andererseit die moldawischen Klöster, die nahe an der Grenze zu Moldawien stehen.

 

Kurz nach Bran liegt die Grosstadt Brasov, die wir auf gut ausgebauten Schnellstrassen umfahren. Der Verkehr hält sich glücklicherweise in Grenzen und es geht gut voran.

 

Generell fällt auf, dass viele der Strassen neu geteert sind und die löcherigen alten Teerstrassen nur noch in abgelegenen Gebieten vorkommen. Das Vorankommen wird dadurch einfacher, aber auch schneller, was der rumänischen Fahrweise entgegen kommt.

 

Die Bicaz Schlucht steuern wir durch ein Seitental an und kommen so in den Genuss einer weiteren längeren Schotterstrassenfahrt. Auch hier wird Holz geschlagen, verarbeitet und mit grossen Lastwagen abtransportiert. Da es seit längerem nicht geregnet hat, ist die Naturstrasse dieses Mal nicht mit Sumpfpassagen angereichert.

 

Die Region rund um die Schlucht ist für die Rumänen ein beliebtest Ausflugsziel. Entsprechend gibt es viele Unterkünfte, auch abgelegene. Eine davon liegt an unserer Schotterstrasse und lädt uns zu einer Kaffeepause ein. Die Ruhe, die Aussicht und das schöne Holzgebäude beeindrucken uns, wodurch wir kurzerhand entscheiden, eine Nacht hier zu bleiben.

 

Schön wärs gewesen, den der Besitzer schüttelt auf unsere Frage nach freien Zimmern lächend den Kopf und erwidert «Wir sind ausgebucht bis in den September hinein». Gut für die Besitzerfamilie, schlecht für uns.

 

In der Schlucht hält sich der Besucherstrom in Grenzen und die Jahmarktstände, die in Rumänien überall an touristischen Hotspots stehen, ziehen kaum Besucher an. 

 

Kaum haben wir unser Nachtquartier bezogen, ziehen heftige Gewitter auf und testen bei einigen von uns, wie standfest ihr Zelt ist.

 

In der Region Moldau wimmelt es nur so von Moldawischen Klöstern und man würde Tage benötigen, um sie alle zu besichtigen. Wir beschränken uns deshalb auf die Anlagen Voldovit und Moldovita, die wegen ihren Malereien bekannt sind.

 

Wir haben Glück, und es gibt keinen Besucherandrang bei beiden Anlagen. So können wir die Malereien und Innendekoration der Kirchen in Ruhe besichtigen.

 

Zudem werden wir Teil einer Beerdigung, die nebst den vielen teilnehmenden Menschen dadurch auffällt, dass die Musik für unsere Ohren ziemlich falsch klingt.

 

Zum Abschluss des heutigen Tages kurven wir über zwei Pässe und geniessen bei Apfelstrudel und Wurst die Aussichten. Die aufziehenden Regenwolken treiben uns dann weiter bis zu unserer Unterkunft, der Deutschen Eiche.


Von der Region Burkowina nach Ungarn und weiter in die Slowakei

Tage 24 - 25 (5'269 km)

Das Frühstück dauert heute Morgen länger, weil unser Gastgeber lieber bei uns am Tisch sitzt und plaudert anstatt in der Küche etwas essbares für uns auf die Teller zaubert. Das ändert sich, als die insgeheime Chefin der Anlage einrifft. Bald darauf dampft ein feines Omlett vor uns auf dem Tisch.

 

Kurz darauf starten wir bei kühlen Temperaturen unsere Tagestour. Entspannt cruisen wir durch das Flusstal des Bistritz und überqueren später den letzten Karpaten Pass unserer Tour, den Prislop Pass.

 

Heute ist Sonntag und viele Rumän*innen besuchen einen Gottesdienst. Deshalb herrscht in den Ortschaften ein reger Fussgängerverkehr zur Kirche, wobei uns auffällt, dass etliche Frauen ihre traditionelle Tracht tragen, was bei den Männern kaum der Fall ist.

 

Das trifft dann auch auf uns zu, als wir bei der Barsana Monestary einen Halt einlegen und mit unseren dreckigen und leicht stinkenden Motorradklamotten mitten in einen Gottesdienst hineintrampen. Zum Glück ist alles an der frischen Luft und weitläufig. So stören wir die Messe mit unserem Geruch und Herumgelaufe nicht.

 

Unsere weitere Strecke verläuft entlang der Ukrainischen Grenze bis wir etliche Kilometer später beim fröhlichen Friedhof in Sapanta ankommen.

 

Durch die über 800 kunstvoll gestalteten, blauen Kreuze, die mit einem ironischen Nachruft des jeweiligen Toten versehen sind, ist diese Ruhestätte zu einer weitherum bekannten Touristenattraktion geworden. Deshalb ist es wohl auch der einzige uns bekannte Friedhof, wo lebende Besucher einen Eintritt bezahlen.

 

Nachdem wir die Kurven des Minipass Pasul Huta hinter uns lassen, steigt unsere innere Spannung an der Grenze zu Ungarn. Bis zuletzt war es für uns nicht möglich, klare Aussagen zu den ungarischen Einreisebedingungen zu bekommen. Ausser unseren Ausweisen will der Grenzbeamte aber nichts weiter wissen oder sehen, wodurch wir keine zehn Minuten später auf dem Weg zu unseren idyllischen Zeltplatz bei der Wassermühle von Turricse sind.

 

Mit den Gedanken bereits beim kühlen Bier biegen wir kurz vor der Ortschaft auf eine Schotterstrasse ein. Keine 50 Meter später ist das kühle Bier verpufft, weil die erste Kiespassage unsere volle Konzentration benötigt und die zweite Passage auch noch unser Fahrkönnen etwas fordert.

 

Mit dem Wissen, dass Ungarn mit seiner mehrheitlich flachen Landschaft für uns Motorradfahrende weniger interessant ist, steuern wir am Morgen die Grenze zur Slowakei an. Beim Grenzübertritt wrd lediglich der Erste in unserer Gruppe gefragt, ob wir alle geimpft seien. Nach seinem Nicken bekommen wir alle freie Fahrt.

 

Nach kurzer Zeit fällt uns auf, dass in der Slowakei aufgrund der langen Pandemie-Einschränkungen kaum Restaurant und Läden geöffnet haben. So müssen wir einige Kilometer zurück legen, bis wir beim Stausee Ruzin ein geöffnetes Badecamp finden.

 

Bald darauf wird es auf unserer Etappe grün und kurvenreich. Der Nationalpark Slowakisches Paradies empfängt uns mit seinen hügeligen Waldgebieten und dem Vernar Pass und Skigebiet.

 

Grün ist auch unser bestausgestattetes Auto- und Zeltcamp. Die Coronakrise zeigt sich aber auch hier. Es sind kaum Besucher vor Ort. Deshalb ist das campeigene Restaurant nur wenige Stunden geöffnet, weshalb sich unser im Restaurant eingeplantes Frühstück in Luft auflöst.


Von der Slowakei nach Tschechien und weiter nach Trebon, wo unsere Reise offiziell endet.

Tage 26 - 27 (5'902 km)

Bekanntlich führen verschiedene Wege nach Rom und so entscheidet sich ein Teil unserer Gruppe eine andere Strecke durch die Slowakei bis zur Grenze nach Tschechien einzuschlagen. Dabei steigen sie zwischendurch auf eine Eisenbahn um und begegnen kuriosen Dingen, wie ein auf dem kopfstehendes Haus, das oben einen Helikopterlandeplatz hat.

 

Wir dagegen bewegen unsere Motorräder auf schmälen Strässchen durch die Waldgebiete zweier Nationalparks, überqueren weitere Pässe und durchfahren einige Skigebiete.

 

Der Nachteile an so viel Wald und Bäume -  die Sicht auf die reizvolle Landschaft bleibt uns oft verborgen. Die zwei Füchse, die plötzlich vor uns das Waldsträsschen überqueren, sehen wir dafür deutlich.

 

Für Tschechien gibt es keine Einreiseeinschränkungen, weshalb wir die Strecke über den kleinen Skiort Makov wählen und dort auf einer Schotterstrasse über die grüne Grenze nach Tschechien einreisen.

 

Kurz darauf erreich wir unser Nachtcamp. Wegen den gewitterigen Wettervorhersagen bucht die Mehrheit einen Bungalow, was sich während der Nacht als Vorteil entpuppte, fegt doch ein gewaltiges Gewitter über unser Nachquartier.

 

Das neben dem Camp liegede Restaurant ist leider komplett geschlossen und ihn der naheliegenden Ortschaft sind bis auf eine Kneippe, die nur Getränke serviert, ebenfalls alle Restaurants zu. Gut, hat noch eine Lebensmittelladen geöffnet, den wir sogleich halb leer kaufen. 

 

Nach der donnerreichen Nacht packen wir das letzte Mal alls Gruppe unsere Sachen zusammen und verfrühstücken den Rest unseres gestrigen Einkaufs.

 

Auf geht es zu unserer letzten Etappe durch den tschechischen Süden bis nach Tredon.

 

Wieso liegen hier soviele abgebrochen Äste am Strassenrand? Da liegt sogar eine ganzer Baum im Feld? Das war doch ein Teil eines Wellblechdachs? Komisch.

 

Wir biegen von der Schnellstrasse in eine Nebenstrasse ab und blicken in ein Feld der Verwüstung, Bäume, Äste und anderes Material liegen wild durcheinander. Daran schuld muss wohl das gestrige starke Gewitter gewesen sein. Beim nächsten Stopp erfahren wir dann, dass dort ein Tornado gewütet hat, über den überall in den Nachrichten berichtet wurde. Da hatten wir mit unserem starken Gewitter ja richtig Glück.

 

In der gut erhaltenen Altstadt von Mikulov legen wir eine Mittagspause ein und durchstreifen ein wenig die alten Gassen. Zu den Zeiten des eisernen Vorhanges versuchten hier viele tschechische Bürger hier über die Grenze nach Österreich zu flüchten. Leider endete dass für etliche tödlich.

 

In Vranov, das idyllisch in einem kleinen Tal am Thaya Fluss liegt, vertreten wir uns ein weiteres Mal die Beine. Das imposante, gleichnamige Schloss, dass hoch oben auf den Felsen ragt, diente bei mehreren weltbekannten Filmen als Kulisse.

 

Weiter folgend wir auf einem schmalen, kurvenreichen durch den Wald führenden Strässchen dem Thaya Fluss, vorbei an der majestätischen Burg Bitov.

 

Bei der Tankstelle kurz vor Trebon verabschiedet sich dann der erste unserer Gruppe in Richtung Österreich, wo Verwandte mit einem lecken Nachtessen auf ihn warten. Gute Fahrt!

 

Auf uns warten dagegen bereits wieder Regenwolken über der Stadt Trebon. Deshalb fragen wir beim Campingplatz gleich nach freien Bungalows. Leider ohne Chancen. Da es hier gestern ebenfalls ein starkes Gewitter gab, wechselten heute etliche der anwensenden Zeltbesucher in die freien Bungalows.

 

So quartieren wir uns in einem Hotel mitten in der Altstadt ein und geniessen anschliessend ein leckeres, gemeinsames Nachtessen.

 

Die Heimreise ab Trebon gestaltet sich für die Meisten von uns unterschiedlich, wodurch unsere Abenteuerreise durch den Balkan und Karpaten hier offiziell endet.


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