Reiseblog


Motorrad-Abenteuerreise für Spontane

«Balkan- Karpaten Tour / Samstag 05. Juni - Samstag 03. Juli 2021»

Der Tour Name wird unserer Abenteuerreise schon im Vorfeld gerecht, war doch bis vor ein paar Tagen weder sicher, dass wir starten können, noch in welche Richtung die Grenzen ohne Quarantänepflicht offen sind.

 

Das Warten und Bangen hat sich aber gelohnt, den immer mehr Regierungen anerkennen jetzt die positiven Wirkungen der COVID19 Impfungen und gewähren dadurch geimpften, genesenen und getesteten Personen erleichterte Einreisen.

 

Und so starten wir in zwei Tagen auf unsere Abenteuerreise in den Balkan und den Karpaten mit dem Wissen, dass unsere Spontanität in den nächsten vier Wochen getestet wird.

 

Lese weiter unten, was wir bis jetzt schon alles erlebt haben.

 

Viel Spass.


Unsere geplante Route

Für Bilder klicke auf die blauen Feldstecher


Von Ohrid quer durch N. Mazedonien nach Bulgarien und weiter Richtung Osten

Tage 10 - 12 (3'020 km)

Wir schalten auf dem Galicia Pass die Motorren ab und staunen über die Ruhe hier oben weit über dem Ohridsee. Kein Flugzeug- oder Autolärm, kein Wind, keine Menschen, einfach Ruhe. Unglaublich.

ecu

Hinzu sieht man auf dem Ohridsee, der immerhin der zweitgrösste See auf dem Balkan ist, kein einziges Boot. Gleich nochmals unglaublich.

 

Es trennen uns nur ungern von diesem idyllischen Aussichtpunkts, aber es warten noch einige hundert Kilometer an Weg auf uns, bis wir Bulgarien erreichen.

 

So düsen wir für einmal auf einer gut ausgebauten Hauptverkehrsachse quer durch Nord Mazedonien und zücken einige Stunden später unsere Impfausweise an der bulgarischen Grenze, damit sie uns einreisen lassen. Leider versteht die COVID 19 delegierte Person kein Englisch und kann mit unseren gelben Impfausweisen der WHO nichts anfangen. Unsere Geduld ist nun ein wenige gefragt, bis telefonisch das OK für unsere Impfnachweise eintrifft.

 

Kurz darauf parkieren wir vor einem Lidl und decken uns mit Würsten, Geflügelbrust, Gemüse und Brot ein mit der Vorfreude im Bauch, auf unser baldiges Barbecue.

 

Am nächsten Morgen gibt es zuerst einmal etwas Kultur. Wir besuchen nämlich das Kloster Roschen, das abgeschieden zwischen Sandsteinbergen liegt.

 

Die Weiterfahrt auf der ersten bulgarischen Schotterstrasse macht Spass und bald darauf erklimmen wir auf einem schmalen, anfangs noch geteerten Strässchen, einen uns unbekannten Pass. Weit oben im letzten Dorft, entwickelt sich die Piste mehr und mehr zu einer Herausforderung für uns. Einerseits ist der Boden der Schotterstrasse durch den Regen der letzten Tage aufgeweicht und andererseits treibt ein russischer Holztransporter mit extra grossen Rädern sein Unwesen auf unserem Weg. Somit beginnt unsere Rutschparty.

 

Konzentriert suchen wir unseren Weg durch die tiefen, schlamigen Reifenrillen und kämpfen dabei noch mit einer Steigung nach der anderen. Dabei kippt die eine oder andere Maschine um, die dann im Teamwork wieder aufgehoben wird. Dazwischen motiviereren wir uns gegenseitig bei kurzen Verschnaufpausen und wühlen uns mit neuer Energie durch die nächsten Schlammpassagen.

 

Zwei Stunden wechselt der Belag wieder auf Teer und bei der ersten sich zeigenden Tankstelle decken wir uns mit kaltem Wasser und einigen Snacks ein.

 

Zum Schluss des Tages crusen wir durch zwei tiefe Schluchten und finden auf einem kleinen Hochplateau eine Bleibe für die heutige Nacht.


Von Albanien über gefühlte 10'000 Kurven bis nach Ohrid in Nord Mazedonien

Tage 10 - 12 (2'420 km)

Wer von unserer Gruppe gedacht hat, die Alpen seien die ultimative Gebirgslandschaft, erlebt in den albanischen Bergen eine Überraschung. 

 

Wild und kaum besiedelt präsentiert sich uns eine gewaltige Bergkulisse, die wir auf einer spektakular verlaufenden Strasse während Stunden durchqueren. Gestoppt werden wir regelmässig von sich überbietenden Aussichtspunkten, von einfach dastehenden Kühen und Schafherden, die gemächlich dahintrotten.

 

Am Ende dieser genialen Motorradstrecke erscheint weit unten der grösste See der Balkanhalbinsel, der Shkroda See. Kaum unten angekommen, sind die angenehmen Bergtemperaturen vorbei und der Hitzepegel unter dem Helm und Motorradjacke steigt und steigt.

 

Zudem machen wir auf der Strecke bis zur Stadt Shkroda mehr und mehr die Bekanntschaft mit der gewöhnungsbedürftigen Fahrweise der albanischen Autofahrenden. Da steigt bei einigen von uns der Puls im Minutentakt und erreicht im Stadtgetümmel die maximale Pulsfrequent, was den Hitzepegel noch etwas mehr in die Höhe treibt.

 

Zeit für eine Kaffee- und Wasserpause bevor es wieder zurück in die albanische Bergwelt in Richtung Nord Mazedonien geht.

 

Rechts, links, Schlagloch, steil abfallend, Spitzkehre, ein kurvenschneidendes Auto, links, rechts, Kies in der Kurve, Hunde... so geht es die letzten 100km und weitere 50km folgen noch. Ganz schön anstrengend. Beklagen wollen wir uns aber nicht, sondern tanken die Bikes auf und kurven weiter.

 

Abends wartet ein feines Nachtessen und bequemes Bett in einem frisch zu einem Gasthaus umgebautes Gehöft auf uns. Die Gastgeber sprechen und zwar keine Fremdsprache, und wir kein Albanisch, aber gross hinderlich ist das nicht.

 

Heute wäre eine längerer Schotterstrassenabschnitt geplant, den wir aber nach Ansicht der Mehrheit auslassen. Stattdessen wählt ein Teil der Gruppe einen Strecke durch den Mavrovo Nationalpark in Nord Mazedonien während der andere Teil der Gruppe den kürzeren Weg entlang dem Debar See wählt und dort durch Zufall in einem Restaurant mit angeschlossener Fischfarm hängenbleibt.

 

Nach und nach erreichen dann alle unser Zuhause in Ohrid am gleichnamigen Ohridsee, wo wir die nächsten zwei Nächte bleiben.

Ohrid gilt als eine der ersten menschlichen Siedlungen in Europa und der Ohridsee ist mehr als drei millionen Jahre alt. So stöbern wir durch die geschichtsträchtigen Altstadtgassen und bestaunen die Aussicht auf den riesigen See.


Von Trogir mit viel Aussicht über Bosnien Herzegovina nach Montenegro und Albanien

Tage 07 - 09 (1'996 km)

Fertig rumhängen - wir starten die Motoren.

 

Wir folgen der kroatischen Küste nach Süden, wobei wir einige Hügel und einen Berg auf schmalen Strässchen erklimmen. Bei Gegenverkehr wird es teilweise ziemlich eng. Dafür werden wir oben mit Aussichten auf die Küstenregion belohnt.

 

Für Schwindelfreie wurde auf dem Sveti Jure eine Aussichtsplattform mit einem durchsichtigen Boden erbaut. Nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

 

Der heutige Zeltplatz liegt direkt am See, was einige gleich dazu veranlasst ins kühle Nass zu springen. Danach heisst es wieder Essen rüsten und die Kocher anzünden.

 

Der Bosnische Grenzbeamte schüttelt den Kopf und erwidert, dass wir über diesen Zoll keinen Transit durch sein Land erhalten ausser wir haben eine gültige COVID  Impfung oder negativen Test. Kurz darauf strecke ich ihm meine Impfbestägigung durch das Fensterchen und er ist zufrieden.

 

Spannend wird es bei unserem Jüngsten, der wegen seines Alters noch ungeimpft ist und auch keinen aktuellen negativen Test dabei hat. Zuerst macht es den Anschein, dass er umdrehen muss, doch als die Beamten merken, dass der Rest der Gruppe durch den Zoll ist, lassen sie auch ihn passieren. Glück gehabt.

 

Unser nächster Stopp ist die berühmte Bogenbrücke in Mostar. Auch hier zeigen sich kaum Touristen, wodurch wir die Brücke in Ruhe besichtigen können. Das gilt auch für die auf unserem Weg liegende Dervish Haus. Das alte Sufi Kloster liegt idyllisch an einer Felswand und Bach.

 

Unser abgelegenes Camp direkt am Tara Fluss in Montenegro erreichen wir über eine längere Schotterpistenfahrt durch einsame Gebiete im Bosnischen Hinterland. Der Grenzübertritt läuft dieses Mal unproblematisch.

 

Durch den Durmitor Nationalpark und die Tara Schlucht fahren wir bis nach Albanien. Leider wieder mal ohne Sonne, dafür mit reichlich Wasser von oben und schlotter Temperaturen. Von der umliegenden Berglandschaft sehen wir daher kaum etwas. Schade.


Von den Plitvicer Seen auf Winnetous Wegen bis nach Trogir an der kroatischen Adriaküste

Tage 05 - 06 (1'272 km)

Wir heften uns an die Spuren von Winnetou und durchstreifen die Wälder und Wiesen bis uns das Velebit Gebirge stoppt. Wie kommen wir jetzt hier rüber?

 

Dass mit dem Weg suchen nach der Sonnenausrichtigung lassen wir lieber und nutzen als moderne Indianer unser Navigationsgeräte. Und siehe da, es zeigt uns eine geschotterte Strasse über den Mali Alan Pass, den Winnetou und Old Shatterhand in fast allen ihren Filmen überquert haben.

 

Oben auf der Passhöhe angekommen, dampfen unsere Stahlrösser nach der getaner Arbeit. Also lassen wir sie verschnaufen und geniessen während dessen die Aussicht auf die Küste und den kurvenreichen Schotterstrassenverlauf bis hinuter in die Ebene.

 

Unten angekommen rinnen bei einigen von uns die ersten Wassertropfen den Rücken herunter. Nein, es regnet nicht schon wieder, aber die strahlende Sonne und das langsame Tempo über die Kiesstrecke heizen uns ein.

 

Eine weitere kurze Rumpelpiste bringt uns zum Aussichtspunkt über den Zrmanje Canyon, der ebenfalls als Fimlkulisse für einem Winnentoufilm diente.

 

Unsere weitere Strecke bis nach Trogir verläuft auf schmalen Nebensträsschen durch etliche kaum bewohnte Siedlungen. Dazwischen gönnen wir uns eine kalte Erfrischung in Skadrin, dem Ausgangsort zum Nationalpark Krka. Dabei drehen gleich neben unserem Tisch zwei Spannferkel ihr Runde auf dem Grill. Da läuft uns allen gleich das Wasser im Munde zusammen.

 

In Trogir wartet ein Hotelzimmer auf uns, ein gut erhaltene Alstadt, Strände und Restaurants mit leckerem Essen. Hier halten wir es bestimmt einen Tag ohne motorradfahren aus.


Von Nötsch im Gailtal durch Slowenien bis zu den Plitvicer Seen in Kroatien

Tage 03 - 04 (988 km)

Ein Blick aus dem Fenster und nein, es sieht immer noch so trüb aus, wie gestern Abend plus ist Nebel aufgezogen.

 

Und so fahren wir oben auf dem Wurzenpass im tiefen Nebel und überqueren die Grenze nach Slowenien. Zum Glück ist der Schlagbaum nicht unten, wir hätten ihn vermutlich nicht gesehen.

 

Etwas mehr südlich wird es heller und wärmer, was uns gleich dazu bewegt, eine Schicht Kleider ins Gepäck zu verstauen. Dann noch einkaufen und weiter geht es.

 

Einige Kilometer vor der Kroatischen Grenze legen wir eine Schlaufe ins Naturreservat des Cerknica Seen ein. Durch die schöne Landschaft führen verschiedene Schotterstrassen, die uns nach all dem Regen mit viel Dreck erwarten.

 

Kurz darauf stehen wir mit unseren besudelten Motorrädern am Kroatien Grenzposten bei Prezid. Da wir alle bereits online das Einreiseformular ausgefüllt haben und die Impf- oder Antigen Schnelltest auf der Internetplattform hinterlegten, lässt uns der Zöllner problemlos passieren.

 

Danach entleeren wir in einem kleinen Dorf dem einzigen Bancomat seine Kunas und kurven weiter nach Süden dem Grenzfluss entlang bis zu unserem heutigen Zeltplatz.

 

Beim Zelt aufstellen haben wir dieses Mal Glück und die dunklen Wolken am Himmel verziehen sich vor ihrer Entladung in eine andere Richtung.

 

Tags darauf brechen wir zu den Plitvicer Seen auf, wo einer der bekannte Winnetour Film «Der Schatz am Silbersee»

gedreht wurde. Davor erkunden wir auf einem alten Militärflugplatz an der Bosnischen Grenze eine DC 10, die da vermutlich seit dem 2. Weltkrieg dahin rostet und landsam von der Natur verschlungen wird.

 

Die Plitvicer Seen besuchen normalerweise über eine Million Menschen pro Jahr. Wegen der Pandemie ist das jetzt natürlich nicht der Fall und wir können das Naturschauspiel fast für uns alleine geniessen. Was für ein Privileg.

Wieder zurück auf dem Zeltplatz zücken wir die Kochmesser, haken Zwiebeln, tauen gefrorene Hackplätzchen am warmen BMW Zylinder auf, verarbeiten Peperonis, würzen und rühren, braten Würste, lachen, trinken und essen am Schluss ein super Menü, das wir den Kochkünste von Thomas verdanken.


Zu unserem Treffpunkt bei Innsbruck und weiter bis nach Nötsch im Gailtal in Kärnten

Tage 01 - 02 (588 km)

Nach der langen Corona-Reisepause sind wir glücklich loszufahren. Und so treffen wir uns im Hemberg, um zusammen nach Innsbruck zu kurfen, wo wir zwei weitere Mitreisende aus Deutschland begrüssen und unsere Abenteuerreise offiziell starten.

 

Leider hat sich mit uns auch eine Schlechtwetterfront auf die Reise durch Europa gemacht. Anfangs zeigte sie uns lediglich ein paar graue Wolken gepaart mit einer angenehmen Temperatur. Je näher wir aber unserem Campingplatz bei Innsbruck kommen, je mehr droht uns die Front mit Regenwolken, wie wenn sie uns vom zelten abhalten wollte.

 

Wir lassen uns aber nicht einschüchtern und bauen fleissig unsere Zelte auf. Das belohnt uns die Front mit einem heftigem Regenguss, der sich nachts zwar wieder beruhigt, aber am Morgen beim Zeltabbau wieder zu neuem Schwung ausholt.

 

Unser erster Reisetag klingt mit einem feinen Nachtessen im campingeigenen Restaurant aus.

Wir sind bereit für unsere Abenteuerreise in den Balkan und den Karpaten
Wir sind bereit für unsere Abenteuerreise in den Balkan und den Karpaten

Das kalte Mai Wetter bescherte auch den österreichischen Alpen Neuschnee, weshalb die meisten Passübergang nach Kärnten geschlossen sind. Da bleibt dann nur noch die Wahl von entweder Tunnel oder die alte Brennerpassstrasse, für die wir uns entscheiden.

 

Doch zuerst geht es noch zum Antigen-Schnelltest, den einige von uns benötigen, um bis nach Kroatien reisen zu können. Keine 20 Minuten später haben wir den ersehnten Zettel mit dem negativen Bescheid in der Hand und losgehts.

 

Wer sich von uns eine ruhige Passfahrt vorgestellt hat, wird schnell eines besseren belehrt. Scharenweise kommen uns Motorradfahrergruppen entgegen, die sich wie bei einem Slalomrennen, um die ebensovielen Autos herumschwingen. Stimmt, am Donnerstag war Fronleichnam, was viel nutzten, um endlich mal wieder nach Italien zu fahren und jetzt auf dem Rückweg sind.

 

Bei einer Pause gibt es dann bereits die erst Kleinreparatur. Die Birne von einem Rücklicht hatte genüg vom ewigen leuchten.

 

Über den Passo Stallo beruhigt sich der Verkehr und die Passfahrt macht trotz dem schlechten Wetter einiges an Spass. Oben liegt noch reichlich Schnee und auf dem Bergsee treiben noch zwei grössere Eisflächen umher.

 

Und wie könnte es anders sein. Kurz vor der Ankuft bei Campingplatz leeren sich einmal mehr die Regenwolken über uns. Das kann eine feuchte Nacht werden.


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