Mit dem Motorrad durch Spanien, Andalusien, Cortijo del Fraile, Suzuki DRZ400S

Wüste, Western und Badlands

Die Wettervorhersagen auf meiner Strecke in die Wüste Tabernas sind für die kommenden Tage nicht rosig.

 

Wüste und Regen? Das passt doch irgendwie nicht zusammen.

 

So brause ich ungläubig in den stürmischen Tag hinein und kämpfe gegen den Wind, der meine Enduro in den Strassengraben blasen will.

 

Die ersten Kilometer folge ich der Küste nach Norden und halte bei einem hoch oben liegenden Aussichtspunkt. Den Helm lasse ich gleich auf, so stark pfeifft der Wind über die Steine und schaue mich nur kurz die Umgebung an.

 

Weiter geht es in ein kleines Tal zur ehemaligen Minensiedlung Rodalquilar. Hier vermischen sich auf eine interessante Weise verfallene und neue Häuser ineinander und dazwischen lebt eine Hippiekommune.

 

Mein Ziel ist die verlassene Goldmiene, die oberhalb der Ortschaft gespenstisch dahinrottet. Absperrungen gibt es hier keine und alle können herumkraxeln, wie sie möchten. Gold finde ich natürlich keines mehr.

 

Jetzt verläuft meine Route geschottert die Hügel hoch, vorbei an weiteren Überresten früherer Minenzeiten.

 

Einige Stopps später steige ich bei der Cortijo del Fraile von meiner Maschine und bestaune die langsam zerfallende Kapelle.

 

Die Anlage diente früher als Kulisse in verschiedenen Filmen und anderem auch für den Spaghetti-Western The God, the Bad and the Ugly mit Clint Eastwood.

 

Noch in Gedanken bei den Handlungen der Spaghetti-Western versucht mich der Wind erneut vom Töff zu schmeissen.

Doch er verliert das Duell und ich erreiche den Faro de Cabo de Gata ohne Verluste.

 

Ausser rauschendes Meereswasser zeigt sich mir hier nichts anderes und so bleibe ich nicht lange und fahre zurück in die kleine vom vielen Wind gebeutelte Siedlung La Almadrabe und schlürfe einen Kaffee

 

Das Gebiet rund um Almeria ist bekannt für seine Gewächshauser aus weissen Plastikplanen, die gut und gerne 43'000 Fussballfelder füllen. Naja, irgendwoher müssen ja die ganzjährigen Tomaten, Paprikas und Zucchinis in unseren Supermärkten herkommen.

 

Mit meinen Navi finde ich problemlos den Weg durch den Gewächshäuserdschungel und sehe schon bald, die in der Sonne glitzernden Plastikdächer, von weit oben.

 

Vorbei am Berdorf Nijar verläuft meine Schotterstrasse weiter hinauf in den Naturpark Sierra Alhammilla.

 

Eigentlich wollte ich den mitten im Park liegenden Mirador Colativi ansteuern. Die dicke Wolkenschicht macht mir aber einen Strich durch den Ausblick.

 

Zudem schleicht sich die kalte Luft durch die Ärmel und Hosenbeine meiner Motorradklamotten, was mich dazu bewegt, schleunigst auf der anderen Seite hinunter in die Wüste Tabernas zu rollen.

 

Bevor ich in Tabernas mein Unterkunft ansteuere, besuche ich auf einem kleinen Umweg die Hornos de calcinacion. Alte Backsteinkamine, in denen früher Erz behandelt wurde, welches danach per Minenbahn durch die Hügel bis nach Almeria transportiert wurde. Die ehemalige Bahnstrecke ist heute ein Wanderweg.


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Es stimmt also doch, es regnet auch in der Wüste. Leider stelle ich das heute Morgen mit dem Blick aus dem Fenster fest.

 

Ich plane deshalb meinen ganztägigen Enduroausflug in die Wüste kurzfristig um, und wandere dafür ein paar Kilometer zur Westernstadt Ford Bravo.

Aufgebaut als Filmkulisse für etliche Western, natürlich auch wieder für Filme von Sergo Leone, dient sie heute lediglich noch als Touristenmagnet.

 

Als alter Westernfan lasse ich mir das nicht entgehen und streune amüsiert durch die Westernstätte. Wie oft in den Filmen gesehen, musste ich beim Eingang meinen Colt dem Sheriff abgeben.


Das trübe Wetter hält sich hartnäckig und der kalte Wind bläst mir beim Bepacken der Enduro um die Ohren.

 

Trotzdem entschiesse ich mich ein Teilstück meiner gestrigen geplanten Enduroroute anzusteuern.

 

Kaum aus der Ortschaft raus, rumple ich auf einer Schotterstrasse durch die kahle Hügellandschaft bis ich in einem ausgetrocknetes Flussbett lande.

 

Viele Strecken in der Tabernas Wüste verlaufen in solchen Flussbetten. Der Untergrund wechselt darin laufend zwischen hart- und Weichkies ab.

 

Deshalb wird auch meine Fahrt durch kleine Rutschpartien aufgelockert.

 

Die Perspektive verändert sich ebenfalls und anstatt der weitläufigen Aussichten von hoch oben liegenden Aussichtspunkten präsentieren sich mir Felswände, Steinmformationen und allerlei Büsche und sonstige Gewächse.

 

Leider wird der Regen stärker und ich entschliesse mich, die nächstmögliche Ausfahrt aus dem Flussbett anzusteuern.

 

Drei weitere Flussschlaufen später bietet sich mir eine Gelegenheit, die gemäss meinem Navi zur Strasse auf meiner weiteren heutigen Tour führt.

 

Also biege ich ab und treibe die Maschine das steile Strässchen hinauf. Oben auf dem Plateau gabeln sich die Wege erneut und ich halte kurz für meine Orientierung.

 

Mein Weg verläuft nach rechts weiter die Hügel hinauf und das Strässchen sieht so aus, als ob schon länger niemand mehr darüber gefahren ist.

So ist es den auch und die Enduro und meine Fahrkenntnisse werden etwas gefordert,

 

Einige hundert Meter vor der Teerstrasse sperrt mir dann eine Eisenkette, die geschickt zwischen zwei Hügeln gespannt ist, den Weg.

 

Mist, da komme ich nicht durch. Ich versuche zwar an einer Seite mich und den Töff durchzuquetschen, was aber nicht funktioniert.

 

Da ich nicht den ganzen Weg zurück fahen will, suche ich einen anderen Weg. Und siehe da, etwas weiter zurück verläuft ein kaum sichtbarer Weg in die richtige Richtung.

 

Ich folge ihm, werde aber bald von einem Erdwall gestoppt, der über mehrer hundert Meter quer verläuft bis hin, wo das Gelände abkippt.

 

Ich steige ab und erkunde das Areal hinter dem Erdwall bis hin zur Teerstrasse, die nicht mehr weit ist. Ein Weg ist nicht vorhanden, aber mit meiner leichten Enduro schaffe ich esbestimmt durch das Gelände zu fahren.

 

Ich suche den geeignesten Ort, um über den Erdwall zu sausen und gebe der Suzuki kurz die Sporen. Und schwubst bin ich auf der anderen Seite und holpere über die Grasbüschel und Steine bis zur Strasse.

 

Oh wie gut, dass ich eine leichte Enduro fahre.

 

Ab hier verläuft meine Strecke mehrheitlich auf festem Untergrund. Einige Kilometer vor meiner Unterkunft machen die Regenwolken der Sonne Platz. Gerade ihm richtigen Moment, damit ich den letzten Abschnitt meiner Route nocht etwas geniessen kann.


Bei kühlen Temperaturen lacht mir endlich wieder die Sonne entgegen.

 

Zum Glück, den heute befahre ich die Wüstenlandschaft rund um die Ortschaft Gorafe, die auch die Badlands genannt werden.

 

Geformt wurde dies Landschaft durch einen riesigen See, der hier vor über 100'000 Jahren zwischen den Bergen bestand.

 

Mein erster Stopp ist beim Megalithenpark, wo über 200 Hünengräber liegen. Die einmalige Landschaft hat also schon sehr früh die Menschen angezogen.

 

Etwas weiter bestaune ich von der weit oben liegenden Felsenkante die Ortschaft Gorafe. Einmalig, diese Landschaft.

 

Die nächsen drei Stunden kurve ich auf einer Schotterstrasse durch die bizarren Badlands. Dabei stoppt mich die einmalige Landschaft alle paar hundert Meter.

 

Die rotleuchtenden Felsen beim Mirador de los Coloraos verschlagen mir dann definitiv den Atem und ich lege eine lange Pause ein.

 

Ein heulender Lastwagenmotor weckt mich aus der Bewunderung der Landschaft. Ich schaue mich um und sehe unten im Talkessel ein Ungetum von einem Lastwagencamper die Schotterstrasse entlang rollen respektive startet er seinen Kampf die steile Strasse zu mir hoch.

 

Die obere enge Kehre schafft er nicht in einem Zug und muss deshalb einigemale zurück und vorwärts fahren. Nicht ungefährlich bei dem bestehendem Abhang.

 

Als er dann endlich beim mir vorbeirollt, betätigt der Fahrer zur Begrüssung ein lautes Horn und stampft weiter den Hügel hoch.

 

Kurz darauf mache ich mich auf den Weg ins rote Tal. Dabei präsentiert sich mir die Schotterstrasse in einem desolaten Zustand.

Vermutlich sind hier schon etliche solcher schweren Gefährte hoch gefahren, wodurch tief ausgefahren Fahrrinnen entstanden sind.

 

Zirkelnd auf dem schmalen Mittelstreifen gelange ich unbeschadet runter, wo die Schotterstrasse wieder normal befahrbar ist und ich die einmalige Landschaft wieder geniessen kann.

 

Zurück in Gorafe setze ich mich auf die einzige Restaurantterrasse des Dorfes und fülle meine Energiespeicher. Dabei bestaune ich einige der Höhlenwohnungen, die in überall in den Badlands verbreitet sind.

 

Geschottert verläuft mein Weg weiter durch die Badlands zum weithin gut sichbaren Berg Cerro Jabalcon. Mit seiner Höhe von fast 1'500 Metern ist er einer der höchsten freistehenden Berge in Spanien.

 

Zuoberst steht die Santuario Virgen de la Cabeza, von wo der Fernblick über die Badlands und dem Stausee Negratin einiges verspricht.

 

Über das schmale, teils steile Bergsträsschen gelange ich eine Stunde später zur Kirche und der Ausblick enttäuscht mich nicht.

 

Wie schon so oft auf meiner Reise bin ich der einzige Besucher, wodurch die einmalige Aussicht mit eine wohltuenden Ruhe gekrönt wird.

 

Auf halbem Weg nach unten biege ich auf eine Schotterstrasse ab, die in mehreren hundert Metern Höhe einmal um den Berg führt.

 

Beim Ojo de la Heredad, ein Loch im Felsen, dass wie ein Ohr aussieht, lege ich für heute meine letzte Pause mit Aussicht ein.

 

 



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